»Runder Tisch NIPT als Kassenleistung«

Neue Beratungen des Bundestages zum NIPT gefordert

  • 27 Akteure fordern eine neue Verhandlung des NIPT im Bundestag.

  • Der NIPT wird zwar von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, soll jedoch nur dann von ihnen finanziert werden, wenn dafür eine medizinische Relevanz vorliegt. Nach Einschätzung des Berufsverbands niedergelassener Pränatalmediziner e.V. (BVNP) formuliere der G-BA in der »Versicherteninformation zur Pränataldiagnostik« aber keine klare medizinische Indikation für den Bluttest – sondern koppele die Kostenübernahme für den Test an die individuelle Situation der Schwangeren. Die ExpertInnen befürchten unter anderem, dass dadurch die Untersuchung so häufig angewendet werde, dass dies einer Reihenuntersuchung gleichkomme. Diesen und andere Punkte kritisiert der BVNP nun gemeinsam mit anderen medizinischen Fachverbänden und weiteren sozialen Organisationen in einer gemeinsamen Erklärung.
    »Eine deutliche medizinische Empfehlung, bei welcher Schwangeren der NIPT-Test durchgeführt werden sollte, fehlt in den Ergänzungen der Mutterschaftsrichtlinien des G-BA leider«, kritisiert Dr. med. Nilgün Dutar, Vorsitzende des BVNP. Auch wurde die Empfehlung des BVNP, diese Untersuchungen nur in Kombination mit einem differenzierten Ultraschall durchzuführen, nicht mit aufgenommen. Nach Einschätzung der PränataldiagnostikerInnen sei das NIPT-Verfahren im Vergleich zu anderen weniger aussagekräftig: »Im Gegensatz zu den diagnostischen Punktionen – wie einer Fruchtwasseruntersuchung – handelt es sich bei dem NIPT-Test nur um ein Suchverfahren (Test) und nicht um ein beweisendes Diagnoseverfahren.« Kritisch sei auch, dass der G-BA die Untersuchung auf die Trisomien 13 und 18 in den Beschluss zum NIPT-Test aufgenommen habe, obwohl die Trisomien auch im Rahmen einer frühen Fehlbildungsdiagnostik erkannt werden könnten.

    Der BVNP kritisiert außerdem die »Versicherteninformation zur Pränataldiagnostik« zum NIPT-Test.  »Um der Schwangeren eine selbstbestimmte Entscheidung zu ermöglichen, müsse die Versicherteninformation ergebnisoffen und fachlich korrekt abgefasst sein«, so die BVNP-Vorsitzende. »Die wissenschaftliche Auswertung zur Versicherteninformation des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) zeigt jedoch, dass zwar die Mehrheit der Befragten angibt, sich frei entscheiden zu können, dennoch empfinden etwa 30 % diese als Empfehlung zur Durchführung des Bluttests.«

    Die Erstattung von medizinischen Leistungen durch die GKV setzt eine wissenschaftlich nachgewiesene Qualität des Verfahrens voraus. Für den NIPT auf die Trisomie 13 und 18 zieht das IQWiG folgendes Fazit: »Für die Erkennung der Trisomien 13 und 18 konnten jeweils die Sensitivität und Spezifität nicht robust geschätztwerden ...« Daraus lasse sich ableiten, dass die wissenschaftliche Qualität nicht sichergestellt sei. Dennoch habe der G-BA die Übernahme der Kosten auch für die Untersuchung auf diese beiden Trisomien ausgesprochen. Dies begünstige möglicherweise eine zukünftige Ausweitung des NIPT auf Tests mit schlechter Aussagekraft.

    Aufgrund der geschilderten Kritikpunkte und Widersprüche fordern der BVNP und andere Mitglieder des »Runden Tisches NIPT als Kassenleistung« nun in einer gemeinsamen Erklärung eine erneute Beratung des Deutschen Bundestages zu den Rahmenbedingungen für die Kassenfinanzierung. Zu dem Bündnis gehören neben dem BVNP noch weitere medizinische Verbände und Fachgesellschaften, Hebammen-, Wohlfahrts- und Beratungsverbände, kirchliche Institutionen sowie Behinderten(-selbsthilfe)verbände und weitere Unterstützer.

    Quelle: Berufsverband niedergelassener Pränatalmediziner e.V. (BVNP), 4.3.2021 · »Runder Tisch NIPT als Kassenleistung«,4.3.2021 · DHZ

    Rubrik: Politik & Gesellschaft

    Erscheinungsdatum: 04.03.2021