Augen-Diagnostik bei Frühgeborenen

Niedrigschwellige Methode mit dem Smartphone

Ein Smartphone-Adapter mit Speziallinse eignet sich möglicherweise zur telemedizinischen Diagnose gefährlicher Netzhauterkrankungen, wie sie häufig bei Frühgeborenen auftreten. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Bonn, die nun in der Fachzeitschrift Scientific Reports erschienen ist. Die Methode ist deutlich kostengünstiger als konventionelle telemedizinische Ansätze. Insbesondere in Schwellenländern könnte sie sich daher für Screening-Untersuchungen eignen. Wird die sogenannte Frühgeborenen-Retinopathie nicht rechtzeitig erkannt, kann sie zur Erblindung führen.

Ohne rechtzeitige Behandlung können die wuchernden Gefäße eine Netzhautablösung verursachen, die in schweren Fällen zur irreversiblen Erblindung führen kann. In westlichen Industrieländern untersuchen Ärzte daher regelmäßig den Augenhintergrund der Frühchen, bis die Gefäßbildung abgeschlossen ist.

Allerdings erfordert dieses Screening genügend Augenärzte, was in Schwellenländern oft nicht gegeben ist. Daher ist die Frühgeborenen-Retinopathie gerade in Ländern wie Brasilien, Indien oder China auf dem Vormarsch. Dem Ärztemangel versucht man heute durch telemedizinische Ansätze zu begegnen. Dabei wird die Untersuchung durch geschultes nicht-ärztliches Personal wie zum Beispiel Krankenschwestern oder -pfleger vorgenommen. Die Bilder, die von der Netzhaut gemacht werden, werden dann über das Internet zur Begutachtung an den Augenarzt geschickt. Doch das entscheidende Problem ist, dass die Kosten für aktuell zur Netzhaut-Bildgebung bei Frühgeborenen verfügbare Geräte hoch sind und von Kliniken in Schwellenländern oftmals nicht erbracht werden können.

Die Bonner AugenärztInnen haben daher ein neues diagnostisches Instrument getestet, das weniger als 1.000 Euro kostet. Dabei handelt es sich um einen Adapter mit Speziallinse, der an einem handelsüblichen Smartphone befestigt wird. Die Aufnahme der Netzhautbilder erfolgt über die Handy-Kamera.

Zwei voneinander unabhängige Experten werteten in der Studie Aufnahmen von 26 Augen aus. Für jedes untersuchte Auge waren zwei Sätze von Bildern angefertigt worden – einmal mit der konventionellen und einmal mit der Smartphone-Methode. Die Bilder wurden gemischt, so dass für die ExpertInnen nicht ersichtlich war, von welchem Auge sie jeweils stammten. Bei diesem Vergleich erzielten beide Ansätze eine vergleichbare Diagnose-Genauigkeit.

Quelle: Wintergerst MWM et al.: Non-contact smartphone-based fundus imaging compared to conventional fundus imaging: a low-cost alternative for retinopathy of prematurity screening and documentation; Scientific Reports; DOI: 10.1038/s41598-019-56155-x Deutsches Gesundheitsportal, 23.12.2019 DHZ

Rubrik: 1. Lebensjahr

Erscheinungsdatum: 08.01.2020