Norwegische Studie

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft - Verhaltensprobleme beim Kind?

Wie ist der Zusammenhang zwischen dem gesundheitsgefährdendem Alkoholkonsum in der Schwangerschaft und nachteiligen Auswirkungen auf das Kind? Und ist ein beobachteter Zusammenhang kausal, das heißt durch das Trinkverhalten begründet?
Eine norwegische Studie sagt: Trinken während der Schwangerschaft ist wahrscheinlich nicht die Ursache für Verhaltensprobleme bei Kindern.
In der prospektiven „Norwegian Mother and Child Cohort Study“ zwischen 1999 und 2015 wurden Mütter, die im ersten Trimester der Schwangerschaft getrunken hatten, über lange Zeit begleitet. Die Daten wurden in der 17. und der 33. Schwangerschaftswoche sowie pränatal nach eineinhalb, drei und fünf Jahren erhoben. Die Studie umfasst 14.639 Mütter mit ihren 25.744 Kindern. Die Mütter berichteten selbst über ihren Alkoholkonsum, emotionale Probleme der Kinder und über Verhaltensprobleme im Vorschulalter.
"Geschwister in der Studie zu haben, erlaubte es uns, emotionale und Verhaltensprobleme bei Kindern zu vergleichen, die die gleiche Mutter haben und in der gleichen Umgebung aufgewachsen sind – aber im ersten Trimester unterschiedlichen Mengen an Alkohol ausgesetzt waren", sagt Ingunn Olea Lund vom Norwegischen Gesundheitsinstitut (NIPH).

Kinder, die im ersten Trimester dem Alkoholkonsum ihrer Mütter ausgesetzt waren, scheinen im Alter von drei Jahren emotionaler zu reagieren und haben mehr somatische Beschwerden. Im Alter von fünf Jahren zeigen sich diese Merkmale jedoch nicht mehr. Dafür sind sie im Alter von fünf Jahren weniger aggressiv als Geschwisterkinder, die keinem Alkohol ausgesetzt waren.

Dennoch beinhalten diese Ergebnisse ein paar Unsicherheiten: Zu Beginn des Studienzeitraums gab es noch keine Empfehlungen oder Leitlinien zur Gefährlichkeit des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft. Im Verlauf der Studienzeit zogen Alkohol und Schwangerschaft viel mediale Aufmerksamkeit auf sich und die Gesundheitsbehörden veröffentlichten entsprechende Richtlinien. Die Forscherinnen glauben, dass diese Einstellungsänderung dazu geführt haben könnte, dass der tatsächliche Alkoholkonsum während der Schwangerschaft nicht mehr angegeben wird, was zu einem Fehler in der NIPH-Studie führen würde.

Quelle: Lund IO, Eilertsen EM et al.: Is the association between maternal alcohol consumption in pregnancy and pre‐school child behavioural and emotional problems causal? Multiple approaches for controlling unmeasured confounding. Addiction 2019. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/add.14573?fbclid=IwAR1BPho-os3bb0tFkSvIuZUVtq_pwn2r0dFglFDGG12gwu02TNttudwHiv4DHZ