Fallkontrollstudie aus Dänemark

Pränataler Vitamin-D-Mangel könnte Schizophrenie-Risiko erhöhen

Neugeborene mit den niedrigsten Vitamin-D-Konzentrationen erkrankten in einer Fall-Kontroll-Studie aus Dänemark als junge Erwachsene häufiger an einer Schizophrenie. Nach den in Scientific Reports vorgestellten Ergebnissen könnte eine Substitution von Vitamin D in der Schwangerschaft die Kinder vor späteren Psychosen schützen.

Die Schizophrenie gehört zu den mysteriösen psychiatrischen Erkrankungen, deren Ursache unbekannt ist. Sie könnte buchstäblich im Dunklen liegen, denn epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass die Erkrankung in höheren Breitengraden häufiger auftritt und Kinder, die im Winter oder Frühling geboren wurden, häufiger erkranken. Auch eine Assoziation mit einem Leben in Großstädten oder das häufigere Auftreten bei MigrantInnen (vor allem mit dunklerer Hautfarbe) deutet auf einen Lichtmangel als Risikofaktor hin, der über einen Vitamin-D-Mangel die Erkrankung auslösen könnte.

Die Tatsache, dass in Dänemark seit 1981 getrocknete Blutproben von Neugeborenen archiviert werden und sich die Personen in anderen Registern identifizieren lassen, ermöglichte es einem Team um John McGrath von der Universität von Queensland in Brisbane, den Zusammenhang zwischen einem Vitamin-D-Mangel während der Geburt mit einer späteren Diagnose einer Schizophrenie zu prüfen.

Die Forscher ließen die Konzentration von 25-Hydroxyvitamin D (25 OHD) von 1.301 Neugeborenen, die später an einer Schizophrenie erkrankt waren, bestimmen und mit 25 OHD-Werten einer gleich großen Kontrollgruppe vergleichen, die nicht an einer Schizophrenie erkrankt war.

Ergebnis: Das Fünftel der Neugeborenen mit den niedrigsten 25 OHD-Werten (weniger als 20,4 nmol/l) erkrankte später signifikant häufiger an einer Schizophrenie. McGrath ermittelt eine relative Inzidenzrate von 1,44 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,12 bis 1,85. Für die anderen Quintile war keine signifikante Assoziation nachweisbar. Ein pränataler Vitamin-D-Mangel könnte demnach das Erkrankungsrisiko um 44 % erhöhen.

In einer früheren, kleineren Analyse der dänischen Biobank hatten die ForscherInnen ebenfalls niedrige OHD-Werte von Neugeborenen mit einem Anstieg der Erkrankungen in Verbindung gebracht. Damals war jedoch eine U-förmige Kurve herausgekommen, nach der auch erhöhte Vitamin-D-Spiegel das Risiko erhöhen könnten. Letzteres bestätigte sich jetzt nicht.

Die Studie passt zu derzeitigen pathogenetischen Konzepten, nach denen die Schizophrenie eine Entwicklungsstörung des Gehirns ist, deren Beginn in der Fetalperiode oder im ersten Lebensjahr vermutet wird, der Zeit des größten Hirnwachstums.

Ein Zusammenhang zwischen einem pränatalen Vitamin-D-Mangel und der Schizophrenie ist laut McGrath biologisch plausibel, da es im Gehirn Rezeptoren für das Vitamin gibt, und zwar in den Regionen mit vielen dopaminergen Neuronen, die an der Pathogenese der Erkrankung beteiligt sein könnten.

Da die Kinder vor der Geburt das Vitamin D nur über den Kreislauf der Mutter erhalten, könnte eine Substitution in der Schwangerschaft eine spätere Erkrankung verhindern. Beweisen ließe sich dies nur in einer klinischen Studie. Sie müsste wegen der Seltenheit der Erkrankung jedoch an einer großen Teilnehmerzahl durchgeführt werden und die Kinder bis ins junge Erwachsenenalter beobachten, was ein extrem hoher Aufwand wäre.

Quelle: Eyles DW et al.: The association between neonatal vitamin D status and risk of schizophrenia. Scientific Reports 2018. 8, 17692. https://www.nature.com/articles/s41598-018-35418-z. aerzteblatt.de, 7.12.2018 DHZ)