Konditionstraining im Hebammenalltag

Radeln als Herzensangelegenheit

  • Lisa Wollenschläger, freiberufliche Hebamme in Trier, radelt das ganze Jahr über zu "ihren" Frauen.

  • Es gibt viele Möglichkeiten, fit zu bleiben, sei es im Fitnessstudio oder beim abendlichen Jogging. Auch Hebammen sollten Bewegung in ihren Alltag integrieren, zum Beispiel auf dem Arbeitsweg. Wer täglich zügig zur Arbeit radelt, senkt sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zehn Minuten hin und zurück reichen schon aus. Jede Form von Bewegung ist gut. Das belegen zwei große Studien aus Skandinavien.

    Prof. Dr. Anders Grøntved, Sportepidemiologe an der süddänischen Universität Odense, und seine KollegInnen untersuchten mehr als 20.000 schwedische Frauen und Männer. Diese waren zu Studienbeginn Anfang 40 und wurden im Laufe einer zehnjährigen Nachbeobachtungszeit zweimal untersucht. Sowohl diejenigen, die von Anfang an mit dem Rad gefahren waren, als auch jene, die später damit angefangen hatten, wiesen zehn Jahre danach weniger Gesundheitsrisiken auf. So sank das Risiko für Fettleibigkeit um 39 Prozent, für Bluthochdruck um 11 Prozent, für einen erhöhten Cholesterinspiegel um 20 Prozent und für einen Diabetes um 18 Prozent im Vergleich zu denjenigen, die im gesamten Studienzeitraum mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren waren.

    Eine andere Arbeitsgruppe der Universität untersuchte 45.000 DänInnen und berücksichtigte zusätzlich die Auswirkungen des Radfahrens in der Freizeit. Kim Blond und ihre KollegInnen berichteten, dass die StudienteilnehmerInnen, die jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit fuhren oder in ihrer Freizeit regelmäßig radelten, 11 beziehungsweise 18 Prozent weniger koronare Herzerkrankungen aufwiesen als die NichtradlerInnen. Der größere Effekt beim Freizeitradeln wird durch das intensivere Training gegenüber dem Radfahren auf dem Arbeitsweg erklärt.

    Eine tägliche Mindestdauer oder -entfernung ist aber im Grunde nicht notwendig, um durch das Radfahren das kardiovaskuläre Risiko zu senken. Wer häufiger oder über größere Entfernungen mit dem Rad unterwegs ist, kann sein Risiko nur ein wenig mehr senken. Das Fazit lautet: Hebammen, die zur Klinik, zu ihren Praxen oder zu Hausbesuchen radeln, machen mit Blick aufs Herz also alles richtig!

    (Grøntved A,  Koivula RG,  Johansson I et al. Bicycling to Work and Primordial Prevention of Cardiovascular Risk: A Cohort Study Among Swedish Men and Women Journal of the American Heart Association. 2016; 5:e004413. https://doi.org/10.1161/JAHA.116.004413; Blond K et al.: Prospective Study of Bicycling and Risk of Coronary Heart Disease in Danish Men and Women. Circulation. 2016;134:1409-1411. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.116.024651/DHZ)

     

     

    Rubrik: Medizin & Wissenschaft

    Erscheinungsdatum: 29.03.2017