Befragung von Hebammen in Ghana

Respektvolles Verhalten gegenüber Gebärenden sicherstellen

  • Hebammen sollten hinsichtlich einer respektvollen Begleitung der Gebärenden geschult und die Frauen auf ihre Rechte aufmerksam gemacht werden - auf der ganzen Welt.

  • Das Ziel einer qualitativen Studie in Ghana bestand darin, die innere Einstellung und das Verhalten von Hebammen gegenüber Frauen während der Geburt zu untersuchen. Hinterfragt wurde die Einstellung von Hebammen zu Unterschieden zwischen einer respektvollen und respektlosen Betreuung. Eruiert wurden Erfahrungen aus der Praxis zu intrapartalem Missbrauch und Gewalt gegenüber gebärenden Frauen.

    Die Studie wurde in Kumasi in Ghana anhand leitfadengestützter Interviews unter 15 Hebammen zwischen Januar und Februar 2019 in englischer Sprache durchgeführt. Die Einstiegsfragen lauteten: „Was ist aus Ihrer Sicht als Hebamme respektvolles Verhalten?“ sowie: „Was umfasst respektloses Verhalten?“ Als zentrale Themen konnten aufgezeigt werden: inadäquate intrapartale Betreuung, auslösende Faktoren für sowie alltägliche Einflussfaktoren auf respektloses und missbräuchliches intrapartales Verhalten gegenüber Frauen.

    In den Interviews benannten die Hebammen, dass eine respektlose Betreuung in der Praxis stattfindet und durch eine inadäquate Betreuung, physische, psychische und verbale Gewalt gekennzeichnet ist. Sie berichteten, dass die Rechte gebärender Frauen verletzt wurden, beispielsweise durch Verletzung der Privatsphäre oder verbale Gewalt durch Anschreien. Ebenfalls fand körperliche Gewalt durch Schläge, Zurückhalten oder Festhalten gegen den Willen der Gebärenden statt. Psychische Gewalt wurde durch Ignorieren der Bedürfnisse gebärender Frauen zum Ausdruck gebracht.

    Die AutorInnen schlussfolgern, dass eine respektlose oder missbräuchliche intrapartale Betreuung zum Zeitpunkt der Durchführung der Studie in Kumasi/Ghana stattgefunden hat. Sie war dadurch gekennzeichnet, dass keine patientinnenzentrierte Betreuung, sondern verbale, physische und psychische Gewalt vorherrschte. Die respektlose oder missbräuchliche Betreuung könne in Zusammenhang mit sozioökonomischen Faktoren und grundlegenden Problemen des Gesundheitssystems in Ghana in Zusammenhang stehen: Personalknappheit, Burnout unter Hebammen und hohe Anforderungen aufgrund der Betreuung HIV-positiver Frauen oder Teenagern.

    Die AutorInnen raten von Strafmaßnahmen ab, wenn respektlose und missbräuchliche Betreuung in der Praxis stattfindet. Sie empfehlen vielmehr, aktiv die Situation zu ändern. Konkret empfehlen sie, krankenhausinterne Leitlinien zu erarbeiten, in denen Patientinnensicherheit, Autonomie der Gebärenden und respektvolles Verhalten festgelegt werden. Zudem ging es um die Umgestaltung von Gebärorten, um das Einnehmen selbstgewählter Gebärpositionen zu ermöglichen.

    Fazit: Hebammen sollten hinsichtlich einer respektvollen Begleitung Gebärender sensibilisiert und geschult und Gebärende auf ihre Rechte einer respektvollen Begleitung während der Geburt aufmerksam gemacht werden.

    Dzomeku VM et al.: „I would´t have hit you, but you would have killed your baby”: exploring midwives´ perspectives on disrespect and abusive care in Ghana. BMC pregnancy and Childbirth 2020. https://bmcpregnancychildbirth.biomedcentral.com/track/pdf/10.1186/s12884-019-2691-y ∙ DHZ

     

    Rubrik: Beruf und Praxis

    Erscheinungsdatum: 30.01.2020