Prospektive Kohortenstudie

Salz könnte weniger schaden, als bisher angenommen

  • Viele Jahre wurde in Leitlinien ein Zusammenhang zwischen Salzkonsum und höherem kardiovaskulären Risiko gesehen - es scheint laut einer neueren Studie in Lancet eher umgekehrt zu sein.

  • Seit mehr als einem Jahrhundert ist der Zusammenhang zwischen Salzkonsum und hohem Blutdruck bekannt. Mehr als 30.000 wissenschaftliche Publikationen bezeugen die Hypothese, dass ein hoher Salzkonsum früher oder später zu einer Hypertonie führen, oder eine bestehende Hypertonie verschlimmern könnte. Während Jahrzehnten warnten ÄrztInnen deswegen vor exzessivem Salzkonsum. Organisationen wie die WHO, die Europäische Gesellschaft für Kardiologie und die American Heart Association publizieren Empfehlungen zur drastischen Reduktion des Salzkonsums sowohl für die Allgemeinbevölkerung als auch für Menschen mit Bluthochdruck.

    Nun bestätigte eine prospektive Kohortenstudie im Lancet mit 94.378 Erwachsenen aus 18 Ländern eine positive Korrelation zwischen Salzkonsum und Blutdruck. „Völlig überraschend war die Beobachtung einer negativen Korrelation zwischen Salzkonsum und Herzinfarkt wie auch zwischen Salzkonsum und Gesamtmortalität“, sagt der Kardiologe Franz Messerli von der Universität Bern.

    Je mehr Salz, desto geringer war das gesundheitliche Risiko in diesen beiden Fällen. „Das hieße, dass nicht alle Organe mit gleicher Empfindlichkeit auf Salz reagieren oder sogar, dass Salz einen kardioprotektiven Effekt ausüben könnte“, schlussfolgert Messerli. Bei zu niedrigem Salzkonsum stieg das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko wieder leicht an.

    Insgesamt stieg der systolische Blutdruck um 2,86 mmHg je zusätzlichem Gramm Natrium. Diese Korrelation wurde jedoch nur bei TeilnehmerInnen im obersten Drittel mit höchster Natriumzufuhr beobachtet, was durchschnittlich 5,75 g Natrium/Tag/Kopf entsprach.

    In einer Studie vom Cambridge Institute of Public Health und der Harvard School of Public Health wurde bereits 2013 der Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Lebenserwartung in 182 verschiedenen Ländern untersucht. Es zeigte sich, dass – abgesehen von einem exzessiven (10 bis 12 Gramm) Salzkonsum – dieser positiv mit der Lebenserwartung verbunden war: Je geringer der Konsum, desto kürzer die Lebenserwartung und umgekehrt. „Bestehende Leitlinien sind bezüglich des Salzgehaltes in der Nahrung wirklichkeitsfremd und sollten dringend überholt werden“, fordert Messerli.

    Quelle: Mente A et al.: Urinary sodium excretion, blood pressure, cardiovascular disease, and mortality: a community-level prospective epidemiological cohort study. The Lancet 2018. Volume 392, ISSUE 10146, P496-506, August 11. DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31376-X. aerzteblatt.de, 10.8.2018 DHZ

    Rubrik: Medizin & Wissenschaft

    Erscheinungsdatum: 14.08.2018