Randomisierte prospektive Studie

Die Nabelschnur nach der Geburt ausstreichen?

  • Das Ausstreichen der Nabelschnur post partum hat vielfältige positive Effekte für das Neugeborene - Frühgeborene profitieren insbesondere davon.

  • Bekanntlich hat das "Ausmelken" der Nabelschnur verglichen mit einer nur verzögerten Nabelschnurdurchtrennung einen positiven direkten Effekt auf die frühe postnatale Hämodynamik des Neugeborenen. Eine Arbeitsgruppe aus San Diego und Loma Linda in Kalifornien sowie aus New York untersuchte nun den langfristigen Einfluss beider Methoden auf den neurologischen Entwicklungsstand von Frühgeborenen im korrigierten Lebensalter von zwei Jahren und erzielte ein überraschendes Ergebnis. Für ihre prospektive Studie teilten der Neonatologe Dr. Anup Katheria und sein Team 135 Frühgeborene mit einem Gestationsalter von 23 + 0 bis 31 + 6 Wochen und einem durchschnittlichen Gewicht von gut 1.200 g randomisiert in zwei Gruppen ein. Bei 70 Frühgeborenen wurde die Nabelschnur vor der Durchtrennung viermal für über 2 Sekunden von der Plazenta zum Kind hin ausgestrichen („umbilical cord milking“, UCM). Bei der zweiten Gruppe (65 Frühgeborene) erfolgte eine verzögerte Nabelschnurdurchtrennung („delayed cord clamping“, DCC) nach 45 bis 60 Sekunden. Im korrigierten Alter von 22 bis 26 Monaten untersuchten die ForscherInnen umfassend die neurologische Entwicklung der Kinder. Die motorischen Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen des Hörens, Sehens und der pulmonalen Situation unterschieden sich in beiden Gruppen nicht. Aber die überraschende Kernaussage lautete: Die Kinder der UCM-Gruppe erreichten signifikant bessere Ergebnisse in Kognition und Sprachvermögen.

    Kommentar: Diese Arbeit liefert weitere Argumente für das routinemäßige und standardisierte Ausstreichen der Nabelschnur postpartal – auch bei Frühgeborenen. Belegt ist unter anderem bereits, dass diese Methode bei reifen Neugeborenen den Eisenstatus bis zum Alter von sechs Monaten und das neurologische Entwicklungsergebnis mit vier Jahren verbessert. Das Ausmelken der Nabelschnur ist im Hinblick auf die applizierte Volumenmenge ungefährlich – ganz im Gegenteil. Der Blutfluss zum Kind beträgt bei UCM etwa 18 ml/kg für über zwei Sekunden. Dies entspricht dem physiologischen umbilikalen venösen Blutfluss von 8 ml/s in der 24. bis 29. Schwangerschaftswoche, ein Wert, der zudem bis zum errechneten Geburtstermin auf 10 ml/s weiter ansteigt. Dies heißt also auch, dass dieser Volumenbolus beim kritisch kranken Neonaten sogar sehr wertvoll ist, da er über den rechten Vorhof und Ventrikel sofort in den pulmonalen Kreislauf gelangt. Außerdem ist beziehungsweise wäre der Zeitverlust beim reanimationspflichtigen Neugeborenen durch UCM ungleich geringer als bei DCC bis das Kind zur rettenden Versorgungseinheit gelangt. Aufgrund der erstaunlichen positiven Langzeitergebnisse sollte UCM schon jetzt noch breitere Anwendung im Alltag finden. Parallel bedarf diese relativ kleine Studie aus zwei Zentren einer multizentrischen Bestätigung.

    Quelle: Katheria A et al. A randomized clinical trial of umbilical cord milking versus delayed cord clamping in preterm infants: Neurodevelopmental outcomes at 22–26 months of corrected age. J Pediatr 2018;194:76–80 Hoppen Th: Kommentar zum Beitrag. Pädiatrie 2018. 30 (3) DHZ

    Rubrik: Geburt