Universität Tübingen

W3-Professur für eine Hebammenwissenschaftlerin

Der neue Studiengang Hebammenwesen in Tübingen erhält nach Intervention des Deutschen Hebammenverbandes (DHV) und der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) eine zweite W3-Professur.

Am Gesundheitscampus Tübingen-Esslingen, einer Kooperation der Hochschule Esslingen, der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen und des Universitätsklinikums, wird derzeit ein Studiengang für Hebammenwissenschaft  eingerichtet. Nach Plänen der Medizinischen Fakultät wird die in diesem Zusammenhang ausgeschriebene W3-Professur für Frauengesundheit und Hebammenwissenschaft mit einer Fachärztin oder einem Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe besetzt. Für eine Hebammenwissenschaftlerin war bisher lediglich eine untergeordnete W1-Professur vorgesehen. Beide Ausschreibungen haben der DHV, der Hebammen Verband Baden-Württemberg e.V. und die DGHWi öffentlich kritisiert. Die Professur „Hebammenwissenschaft“ solle durch eine Hebamme besetzt werden. Nach dem Hebammengesetz müsse die Leitung des Studiengangs durch eine Hebamme oder auch in gleichberechtigter Kooperation einer Hebamme und einer Ärztin/eines Arztes geschehen.

Das Wissenschaftsministerium in Baden-Württemberg hat nun eine zweite W3-Professur zur Verfügung gestellt, die mit einer Hebammenwissenschaftlerin besetzt werden und gleichberechtigt sein soll. Die Hebammenvertreterinnen begrüßen im Hinblick auf die eigenständige Disziplinentwicklung die Einrichtung dieser Professur. Dies ist aber nur ein Teilerfolg.

„Ein Studiengang für Hebammen kann nur mit wissenschaftlich qualifizierten Hebammen erfolgreich sein“, sind sich Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des DHV, und Jutta Eichenauer, Erste Vorsitzende des Hebammen Verbands Baden-Württemberg einig. "Dies muss sich zwingend auch in der Bezeichnung und der Besetzung der Stellen widerspiegeln“, meint Elke Mattern, Vorsitzende der DGHWi. Die DGHWi setzt sich für eine rasche Überführung der Hebammenausbildung an Hochschulen und die Entwicklung professionsspezifischer Strukturen ein.

Hebammen übernehmen in der Hebammenwissenschaft die Verantwortung für Forschung und Lehre. Die Akademisierung der Hebammenausbildung muss in Deutschland laut einer EU-Richtlinie bis 2020 erreicht sein. Deutschland ist eines der letzten Länder in der EU, in denen Hebammen noch nicht vollständig an Hochschulen ausgebildet werden. Mit der Einrichtung von hebammenwissenschaftlichen Studiengängen wird nicht nur die Versorgungsqualität in der Geburtshilfe verbessert, sondern ein traditioneller Frauenberuf erhält neue berufliche Perspektiven.

Quelle: DHV, 5.6.2018