Qualitative Studie aus Australien

Warum lehnen Schwangere eine klinische Geburt trotz Risikofaktoren ab?

In Australien finden 97 % aller Geburten im klinischen Setting statt. Ungefähr 3 % aller Gebärenden entscheiden sich zu einer Alleingeburt oder auch zu einer Hausgeburt bei vorliegenden Risikofaktoren. Das Ziel einer qualitativen Studie war es, einen Blick auf die zugrundeliegende Motivation dieser Gebärenden zu werfen, um zu verstehen, was Frauen zu einer Alleingeburt oder einer Hausgeburt bei vorliegenden Risikofaktoren bewegt.

In die qualitative Studie wurden 28 Frauen, deren ursprüngliche Motivation eine Allein- oder Hausgeburt bei vorliegenden Risikofaktoren war, eingeschlossen. 13 von ihnen hatten sich für eine Hausgeburt trotz Risikofaktoren und 15 für eine Alleingeburt entschieden. Die Daten stammen aus den Jahren 2010 bis 2014. Es wurden 20 Tiefeninterviews geführt. Die Erfahrungen von acht weiteren Frauen erfolgten durch eine sekundäre Datennutzung bereits veröffentlichter Hausgeburtserfahrungen aus dem australischen National Review of Maternity Services.

Das Durchschnittsalter der Frauen lag bei 34 Jahren. Die Mehrheit verfügte über Geburtserfahrungen im australischen Gesundheitssystem und eine hohe Allgemeinbildung. Als Hauptkategorie wurde „Das Beste und Sicherste wollen“ identifiziert. Unterkategorien waren vorausgegangene Geburtserfahrungen, die eigenen Gebärperspektive, die eigene Bewertung von Risiken sowie die Überzeugung, dass ein Krankenhaus keine absolute Sicherheit bieten kann.

Es zeigte sich, dass die befragten Frauen ihrem Wissen und ihrer Einschätzung zur Geburt ein größeres Gewicht beimessen, als Aussagen von ExpertInnen des Gesundheitswesens. Sie erachten ein biomedizinisches Verständnis als riskanter als die Entscheidung, sich auf ihren eigenen Körper zu verlassen. Mehrgebärende Frauen berichteten von früheren Erfahrungen im Krankenhaus als „emotional unsicheren“ Ort.

Die AutorInnen formulieren die Theorie, dass Defizite des australischen Gesundheitssystems und innere Überzeugungen grundlegende Motivation für Frauen sind, außerhalb des Gesundheitssystems zu gebären. Sie leiten daraus ab, dass systematische Verbesserungen zu einer Humanisierung der Geburtsbegleitung erfolgen sollten. Hierbei sollte ein Fokus auf hebammengeleiteter Betreuung liegen.

Lesen Sie auch: Ludwig S: Hausgeburten in Australien: Ohne Hebamme, aber nicht allein. DHZ 9/2017, Seite 30-31. www.dhz-online.de/archiv/archiv-inhalt-heft/archiv-detail-abo/artikel/ohne-hebamme-aber-nicht-allein/

Quelle: Jackson MK, Schmied V, Dahlen HG: Birthing outside the system: the motivation behind the choice to freebirth or have a homebirth with risk factors in Australia. BMC Pregnancy Childbirth 2020. 20, 254. https://bmcpregnancychildbirth.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12884-020-02944-6 · DHZ

Rubrik: Geburt

Erscheinungsdatum: 08.05.2020