Rotierender Schichtdienst steigert das Diabetesrisiko

Wenn die innere Uhr durcheinander gerät ...

Die Arbeit im Schichtdienst erhöht das Risiko für die Ausbildung eines Diabetes mellitus Typ II um neun Prozent. Das höchste Risiko mit 42 Prozent haben gemäß einer aktuellen Metaanalyse ArbeitnehmerInnen in rotierenden Schichtmodellen, in denen sie häufig zwischen Früh-­, Spät-­ und Nachschicht wechseln. Klinisch arbeitende Hebammen sind demnach besonders gefährdet.

Normalerweise benötigt der Körper circa drei bis vier Tage, um sich umzustellen. Im Schichtdienst wird sozusagen die eigene Zeitzone künstlich verschoben und der Körper kommt mit der zirkadianen Umstellung nicht hinterher. Er befindet sich in einer Art Dauer­-Jetlag. Die Vermutung war, dass allein das veränderte Essverhalten dafür verantwortlich sei.

In einem Experiment konnte aber nachgewiesen werden, dass sich der Glucosestoffwechsel auch bei normalem Essverhalten massiv in Richtung eines manifesten Diabetes verändert.

Dennoch spielt die Ernährung eine große Rolle. Bisher gab es noch keine wissenschaftlich begründeten Ernährungsempfehlungen für SchichtarbeiterInnen. Der Endokrinologe Sebastian Schmid von der Universität Lübeck hält es für sinnvoll, vor der Nachtschicht ein reguläres Abendessen einzunehmen, während der Nacht nur leichte, kalorienarme Nahrung zu essen, Süßgetränke zu vermeiden und morgens nach der Arbeit ausgiebig zu frühstücken.

(Eckert, N: Innere Uhr im Aufruhr: Schichtdienst erhöht das Diabetesrisiko, Medscape 31.7.2014; http://www.medscapemedizin.de/artikel/oeffentlich/artikel/4902458/DHZ)

 

Rubrik: Medizin & Wissenschaft

Erscheinungsdatum: 22.05.2015