Studie aus den USA

Wie belastend ist ein Schwangerschaftsabbruch?

Schwangerschaftsabbrüche sind in den USA politisch umstritten. Obwohl seit dem Jahr 1973 grundsätzlich bis zur Lebensfähigkeit des Kindes zulässig, wird der Zugang durch Gesetze in einzelnen Bundesstaaten stark eingeschränkt. Als Begründung werden neben religiösen Überzeu­gun­gen immer wieder mögliche Aus­wirkungen auf die psychische Gesundheit der Frauen angeführt.

In 8 der 50 Bundesstaaten müssen AnbieterInnen von Schwangerschaftsabbrüchen den Frauen Informationsmaterialien zur Verfügung stellen, in denen ausdrücklich vor einem dauerhaften emotionalen Scha­den gewarnt wird. Insgesamt 27 Bundesstaaten fordern eine 24-stündige Bedenkzeit, bevor den Frauen die Medikamente zum Schwangerschaftsabbruch ausgehändigt werden dürfen.

In einer aktuellen Untersuchung hat ein Team um Katrina Kimport der Universität in San Francisco Interviews von 667 Frauen ausgewertet, die nach einem Abbruch alle 6 Monate telefonisch befragt wurden. Die Frauen stammten aus 21 Staaten mit unter­schied­licher Gesetzgebung.

Die Frauen waren nach sechs Emotionen befragt worden. Darunter waren positive Gefühle wie Erleichterung und Glück, als auch negative wie Bedauern, Schuldgefühle, Traurigkeit und Wut. Bei der ersten Befragung eine Woche nach dem Abbruch hatten mehr als die Hälfte der Frauen (51 %) überwiegend positive Gefühle geäußert. Am häufigsten gaben die Frauen eine Erleichterung an. Weitere 20 % zeigten wenige oder keine Emotionen. Insgesamt 17 % gaben überwiegend negative Emotionen und 12 % sowohl negative als auch positive Emotionen an. Das häufigste negative Gefühl war Trauer.

In den ersten beiden Jahren haben laut Kimport die mit dem Schwangerschaftsabbruch verbundenen positiven und negativen Gefühle deutlich nachgelassen. Danach habe es kaum noch Änderungen gegeben. Fünf Jahre nach dem Schwangerschaftsabbruch hatte die Mehrheit der Frauen (84 %) entweder überwiegend positive oder gar keine Gefühle bezüglich ihrer Entscheidung. Insgesamt 6 % äußerten überwiegend negative Gefühle.

Es gab keinen Hinweis, dass mit der Zeit die negativen oder positiven Emotionen wieder ansteigen. Hinweise auf eine „späte Reue“ fand Kimport nicht. Im Gegenteil: Der Anteil der Frauen, die die Entscheidung im Nachhinein als richtig empfanden, war von 97,5 % auf 99 % gestiegen.

Auch der Einfluss, den eine soziale Stigmatisierung auf die Gefühle der Frauen hatte, ließ mit der Zeit nach. Etwa ein Drittel der Frauen (31 %) hatte zu Beginn der Studie befürch­tet, dass ihre persönliche Umgebung sie wegen ihrer Entscheidung verachten könnte. Diese Frauen hatten bei der Befragung hohe Werte beim Negativgefühl Trauer angege­ben. Auch in dieser Gruppe haben sich die Gefühle im Verlauf von fünf Jahren angegli­chen.

Auch in Deutschland soll demnächst die Gefühlslage von Frauen, die sich zu einem Abbruch ihrer Schwangerschaft entschieden haben, erforscht werden. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium hat bis zu 5 Millionen Euro für das Forschungsprojekt bereitgestellt.

Kimport K et al.: Emotions and decision rightness over five years following an abortion: An examination of decision difficulty and abortion stigma. Science Direct 2020. doi: /10.1016/j.socscimed.2019.112704 aerzteblatt.de, 14.1.2020 DHZ

Rubrik: Schwangerschaft

Erscheinungsdatum: 21.01.2020