Österreichische Sekundärdatenanalyse

Wie entscheidend ist die Geschwisterreihenfolge fürs weitere Leben?

  • Entwickeln sich ältere Geschwister anders als jüngere - und welche Rolle spielt die elterliche Fürsorge dabei?

  • Die Studienlage zur Geburtenreihenfolge ist komplex und uneinheitlich. So zeigen Studien, dass erstgeborene Kinder häufig über höhere kognitive sowie nicht kognitive Fähigkeiten verfügen, ein höheres Einkommen erwirtschaften und über höhere Bildungsabschlüsse verfügen als ihre jüngeren Geschwister. Diskutiert werden in diesem Zusammenhang unterschiedliche Verhaltensweisen der Eltern. Andere Studien zeigen auf, dass erstgeborene Kinder zum Zeitpunkt der Geburt häufig weniger gesund als ihre jüngeren Geschwister sind, da sie häufiger zu früh geboren werden und ein geringeres Geburtsgewicht vorliegt. In diesem Zusammenhang wird diskutiert, dass weniger gesunde oder frühgeborene Kinder ein höheres Maß an elterlicher Zuwendung erfordern und auch erhalten.

    In Österreich wurde in der Provinz Oberösterreich eine Sekundärdatenanalyse zum Einfluss der Geburtenreihenfolge auf den kindlichen Gesundheitsstatus und das Maß der elterlichen Zuwendung durchgeführt. Das Ziel der Studie bestand darin, zu untersuchen, ob verschiedene Einflussfaktoren in Zusammenhang mit der Geburt oder vorhandene oder eingeschränkte elterliche Ressourcen mögliche Unterschiede erklären können.

    Berücksichtigt wurden insgesamt 141.175 Mütter, deren erstes Kind im Jahr 1984 oder später geboren wurde. Diese Mütter hatten insgesamt 311.300 Kinder. Ausgeschlossen wurden Frauen mit einem oder mehr als vier Kindern sowie Frauen mit Mehrlingsgeburten. Die Sekundärdaten zum Geburtsgewicht (geringes sowie sehr geringes Geburtsgewicht) wurden dem Österreichischen Geburtenregister für die Jahre 1984 bis 2007 entnommen. Das perinatale Wohlbefinden wurde für die Jahre 1998 bis 2015 aus oberösterreichischen Krankenkassendaten entnommen. Die elterliche Zuwendung wurde anhand der Teilnahmehäufigkeit an Vorsorgeuntersuchungen sowie die elterliche Impfentscheidung für das Kind erfasst. Weitere Daten wurden über wahrgenommene Vorsorgeuntersuchungen im Schulalter gewonnen. Es fehlen aber Aussagen im Bericht über existierende Datenlücken, da die Angaben des Geburtenregisters nur bis 2007 erfasst wurden. Außerdem wurde der Aspekt der elterlichen Zuwendung einseitig durch die Anzahl der wahrgenommenen Vorsorgeuntersuchungen beziehungsweise über die elterliche Impfentscheidung dargestellt.

    Die Evaluation zeigte gesundheitliche Vorteile für später geborene Kinder, da diese seltener als Frühgeburt zur Welt kamen und seltener ein geringes Geburtsgewicht hatten. Durchschnittlich waren später geborene Kinder 129 Gramm schwerer und hatten seltener ein Geburtsgewicht unter 2.500 Gramm als erstgeborene Geschwisterkinder. Hinsichtlich der wahrgenommenen Vorsorgeuntersuchungen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede im Zusammenhang zur Geburtenreihenfolge. Später geborene Kinder zeigten einen besseren Gesundheitszustand bei Schulgesundheitskontrollen, benötigten weniger Medikamente und waren seltener im Krankenhaus während ihrer Kindheit.

    Die AutorInnen diskutieren, dass die Geburtsreihenfolge einen Einfluss auf das elterliche Verhalten zeigt, der über die prä- und postnatale Phase hinausgeht, beispielsweise aufgrund vorliegender Ressourcenbeschränkungen bei jüngeren Geschwisterkindern. Aufgrund der Relevanz der Geschwisterreihenfolge empfehlen sie, diesen Aspekt bei empirischen Datenerhebungen und Studien zu berücksichtigen.

    Quelle: Pruckner et al.: Birth order, parental health investment, and health in childhood. J Health Econ 2021.76, 102426. DOI: https://doi.org/10.1016/j.jhealeco.2021.102426 ∙ DHZ

     

    Rubrik: Politik & Gesellschaft

    Erscheinungsdatum: 20.04.2021