Amerikanische Studie

Wie Klinikroutinen das Stillen beeinflussen

Eine amerikanische Studie hat die Auswirkungen von Klinikroutinen auf das Stillen untersucht. Die ForscherInnen aus Ohio, USA, berichten, dass an ihrem als babyfreundlich (BFHI) zertifizierten Haus bisher alle Neugeborenen zwei Stunden nach Geburt erstmalig gewaschen wurden (mit Schwamm/Waschlappen, kein Baden). Diese Praxis wurde verändert und Neugeborene wurden nun frühestens zwölf Stunden post partum erstmalig gewaschen, bevorzugt noch später. Für beide Zeitpunkte, vor und nach der Intervention, wurden die Stillraten während des Klinikaufenthalts und bei Entlassung erhoben. Zudem wurde zwischen vaginal und per Sectio geborenen Kindern unterschieden.

Seitdem die Neugeborenen frühestens nach zwölf Stunden pp oder noch später gewaschen wurden, stieg die Stillrate auf der Station um 7,5 %. Der Effekt war bei Mutter-Kind-Paaren nach vaginaler Geburt noch deutlicher als bei Sectio-Paaren. In früheren Studien konnte bereits nachgewiesen werden, dass Reste des Fruchtwassers, die sich auf den Händen des Neugeborenen befinden, ihm bei der Orientierung zur Brust hin helfen und somit eine Rolle bei den ersten Stillversuchen spielen. Es ist daher denkbar, dass das zu frühe Waschen des Kindes in diesen natürlichen Prozess eingreift und das Anlegen dadurch erschwert wird.

Somit wurde erneut verdeutlicht, welche Bedeutung dem ununterbrochenen Hautkontakt zukommt. Sämtliche Routinemaßnahmen und Erstuntersuchungen sollten, wenn medizinisch möglich, entweder auf einen späteren Zeitpunkt verlegt oder durchgeführt werden, während das Neugeborene im direkten Hautkontakt auf dem Bauch der Mutter liegt.

Quelle: Condo H et al.: Initiative to Improve Exclusive Breastfeeding by Delaying the Newborn Bath. Journal of Obstetric, Gynecologic & Neonatal Nursing 2019. DOI: https://doi.org/10.1016/j.jogn.2018.12.008DHZ

Rubrik: 1. Lebensjahr