Mixed-Methods-Studie aus Irland

Wie sicher sind Hebammen bei der Prävention von Geburtsverletzungen?

  • Hebammen in Irland wünschen sich mehr Fortbildungen zur Prävention von Geburtsverletzungen.

  • Ein Ziel evidenzbasierter Geburtsbegleitung liegt darin, perineale Traumata zu vermeiden. Dies beginnt mit der Durchführung präventiver Maßnahmen während der Geburtsphase, wobei zur Effizienz verschiedener Maßnahmen unterschiedlichen Evidenzen vorliegen. Der Versorgungsauftrag von Hebammen in Irland umfasst hierbei auch die intrapartale Prävention und die postpartale Versorgung geburtshilflicher Verletzungen. Daher stellt das Nursing and Midwifery Board of Ireland (NMBI) ein Fortbildungsprogramm für Hebammen zur Verfügung.

    Um diese Fortbildungsprogramm zu aktualisieren, wurden hebammenspezifische Bedürfnisse im Rahmen einer irischen Studie erfragt. Das Ziel der Studie bestand darin, die Wünsche und Bedürfnisse der Hebammen hinsichtlich präventiver und praktischer Maßnahmen während der Geburt zur Vermeidung perinealer Traumata zu evaluieren. Hierzu wurde eine Mixed-Methods-Studie durchgeführt. Eingeschlossen wurden Hebammen aus verschiedenen Zuständigkeitsbereiten eines großen irischen geburtshilflichen Zentrums mit jährlich rund 9.000 Geburten. Zwei Fokusgruppen (jeweils n=6) wurden befragt.

    Die Ergebnisse zeigten, dass im Fokus der derzeitigen Fortbildungen das Thema der Versorgung des verletzten Perineums steht. 78,4 % der befragten Hebammen konnten eine Versorgung des mütterlichen Perineums durchführen. Jedoch decken die derzeitigen Workshops den Themenkomplex der Prävention von Perinealtraumata aus Sicht der Teilnehmerinnen am Fortbildungsangebot des NMBI nicht ausreichend ab. Hierzu möchten sich jedoch 85 % der befragten Hebammen weiterbilden. Informationsbedarf besteht in Bezug auf der Prävention von Perinealtraumata bei 35,6 %, der Indikationsstellung zur Durchführung einer Episiotomie bei 28,9 %, der Infiltration des Perineums bei 26,7 % und der Versorgung einer Geburtsverletzung bei 8,9 % der befragten Hebammen. Bei der Entscheidung hinsichtlich der Durchführung oder dem Verzicht einer Episiotomie fühlten sich 71,2 % (n=37) der Hebammen sicher oder sehr sicher, wobei 28,8 % (n=15) sich unsicher oder etwas unsicher dabei waren und eine weitere Hebamme oder einen Arzt hinzuziehen würden. Beim Aspekt der Sicherheit der Entscheidungsfindung waren Hebammen mit Berufserfahrung über zehn Jahre signifikant sicherer als Hebammen mit kürzerer Berufserfahrung.

    Quelle: Carroll L, Sheehy L, Doherty J, O'Brien D, Brosnan M, Cronin M, Dougan N, Coughlan B, Kirwan C: Perineal management: Midwives' confidence and educational needs. Midwifery 2020. 90, 102817. https://doi.org/10.1016/j.midw.2020.102817DHZ

    Rubrik: Geburt

    Erscheinungsdatum: 08.12.2020