Berlin

Zehn Jahre Babylotsen an der Charité

  • Die Arbeitsgruppe »Prävention Schütteltrauma« der Kinderschutzgruppe der Charité – Universitätsmedizin Berlin stellt umfassende Informationen zu den Folgen dieser Gewalteinwirkungbereit.

  • An der Berliner Charité bekommen werdende und frischgebackene Eltern durch das Programm der Babylotsen seit inzwischen zehn Jahren Unterstützung. »Wir müssen sehen, dass Eltern noch kompetenter werden, sich sicherer fühlen. Schließlich sind Elternwohl und Kindeswohl eng miteinander verknüpft«, sagte Dr. Christine Klapp, Ärztin in der Charité-Geburtsmedizin, die federführend an der Entwicklung des Programms in Berlin beteiligt gewesen ist. Das Angebot ziele darauf ab, Überforderungen im Vorfeld zu erkennen und in der Schwangerschaft und rund um die Geburt Entlastung zu schaffen.

    Ab 2012 wurde das Projekt zum präventiven Kinderschutz an der Charité gestartet. Mittlerweile ist es als Programm in allen Geburtskliniken Berlins eingeführt worden und wird von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung gefördert. Zuvor war 2007 in Hamburg so ein Projekt gegründet worden, inzwischen sind ähnliche Angebote in zahlreichen Städten in Deutschland zu finden.

    Am 20. August fand anlässlich des zehnjährigen Jubiläums ein Symposium mit Veranstaltungen im Kaiserin-Friedrich-Haus in Mitte statt. Im Fokus stand besonders das Schütteltrauma – Expert:innen zufolge die häufigste Misshandlung im Säuglingsalter. »Ganz viele Eltern wissen nicht, wie gefährlich diese Verzweiflungstat, das Schütteln, eigentlich ist«, sagte Klapp.

    Expert:innen schätzen, dass sogar mehr als 100 Kleinkinder jährlich an den Folgen sterben. Die Dunkelziffer ist hoch, 70 % der Überlebenden leiden zum Großteil an schwerwiegenden Langzeitschäden.

    Für die Aufklärungsarbeit sollen im Rahmen des Jubiläums deshalb zunächst 50 Schüttelpuppen an Kliniken bundesweit verteilt werden, die durch Alarmlämpchen und -signale bei Schüttelbewegungen verdeutlichen sollen, welche gravierenden Hirnverletzungen bei Babys folgen können. In Kombination mit einer Onlineschulung soll Klinikpersonal befähigt werden, Eltern vor Entlassung von der Station aufzuklären.

    Quelle: dpa, 18.8.2022 · DHZ

    Rubrik: Regionales

    Erscheinungsdatum: 18.08.2022