Rundruf

Wie sinnvoll finden Sie die Arbeit mit einem Konzept, das einen Kreißsaal bei einer gewissen Auslastung »abmeldet« – wie das Punkte- oder das Ampelsystem – und die Schwangeren automatisch in andere Häuser leitet?

Maria Sol Lopez-Vecino, Leitende Hebamme in der Helios Mariahilf Klinik Hamburg

Ein Ampelsystem für die Sperrung von Kreißsälen ermöglicht eine sichere Patientinnen- versorgung. Vorstellbar sind frühzeitige Handlungsempfehlungen und Kontaktzuweisungen an umliegende Kliniken. Dafür ist jedoch Voraussetzung, dass sich alle geburtshilflichen Kliniken der Region zusammenschließen.

 

Prof. Dr. med. Ralf Schild, MA FRCOG, DEGUM III, Chefarzt der Klinik für Geburtshilfe und Perinatalmedizin im Perinatalzentrum Hannover

Ich halte ein solches System – bei uns im Perinatalzentrum Hannover »Ampel« genannt – in Zeiten begrenzter Personalressourcen und hohen Arbeitsaufkommens für sehr sinnvoll. Steht bei uns im Kreißsaal die Ampel auf gelb oder rot, passen wir proaktiv insbesondere die Zahl der Geburtseinleitungen so an, dass wir diese, wenn medizinisch möglich, auf einen anderen Tag verschieben oder an unsere Schwesterklinik in Hannover verweisen. Damit versuchen wir, eine Überlastung unserer Hebammen und eine potenzielle Gefährdung der maternalen und kindlichen Gesundheit zu vermeiden. Wir praktizieren dieses System bereits seit mehr als fünf Jahren erfolgreich und konnten damit eine deutlich höhere Zufriedenheit in unserem Hebammenteam erreichen als in der Zeit vor der Ampel.

 

Nuria Lips, Kreißsaalhebamme aus dem Universitätsklinikum Hamburg- Eppendorf

Ich kann mir mittlerweile nicht mehr vorstellen, in einem größeren Kreißsaal ohne das Punktesystem zu arbeiten. Es zeigt für alle im Kreißsaal arbeitenden Berufsgruppen einfach nachvollziehbar die aktuelle Kapazität an und schützt uns Hebammen vor Überlastung! Das Durchzählen ist schnell erledigt und es gibt weniger Diskussionen.

Rubrik: Immer in der DHZ | DHZ 06/2022

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