Besserer Sex nach Sectio?

Zusammenfassung eines Posters vom Wettbewerb des 5. DHZCongress Julia Pratz | Pauline Engfer
  • Poster vom DHZCongress online

Seit in Deutschland die Zahl der Geburten in den Krankenhäusern zunimmt und die Komplikationsrate bei Kaiserschnitten weiter sinkt, ist die Diskussion um die Wahl des »richtigen« Geburtsmodus immer präsenter geworden. Die Vor- und Nachteile der einzelnen Geburtsmodi werden in Fachkreisen regelmäßig diskutiert.

Es ist bekannt, dass die Kaiserschnitt­rate von 29,1 % 2018 in Deutschland zu hoch ist (Destatis 2020), verglichen mit der WHO-Empfehlung von < 10 % (WHO 2018). Die Gründe für die Durchführung einer Sectio sind vielfältig. Sie reichen von absoluten Indikationen, wie einer Plazenta praevia totalis, bis hin zum kontrovers diskutierten, sogenannten »Wunschkaiserschnitt«.

Ein Argument für den Kaiserschnitt ist auch die Schonung des Beckenbodens, um eine Verbesserung der Sexualität postpartum zu erreichen.

Ob dies als Indikation wirklich begründet ist, erscheint fragwürdig. Der Poster-Wettbewerb des DHZ-Kongresses war der Anlass, um die Studienlage zum Thema »Sexualität postpartum abhängig vom Geburtsmodus« näher zu betrachten und so herauszufinden, ob diese Annahme auf Fakten beruht.

Das Ergebnis der vier untersuchten Studien ist eindeutig: Bezogen auf die sexuelle Funktion ist nach spätestens 12 Monaten postpartum kein Unterschied mehr zwischen den einzelnen Geburtsmodi feststellbar. Damit ist eine potenzielle Verbesserung der Sexualität nicht als Grund für einen Kaiserschnitt gerechtfertigt. Eine Vielzahl anderer Faktoren, die weitestgehend noch nicht erforscht wurden, scheint wesentlich mehr Einfluss auf die Sexualität der Frau nach der Geburt zu haben.

Im Zuge der Recherche fiel auf, dass das Thema der Sexualität postpartum weder in der Deutschen Hebammen Zeitschrift noch im Hebammenforum behandelt wurde. Allgemein ist wenig Forschung dazu verfügbar. Gerade deswegen ist es erfreulich, dass dieses Thema nun aufgegriffen wird. Nur durch Aufklärung und öffentliche Diskussion des Themas kann eine Enttabuisierung in der Gesellschaft bewirkt werden.

Hebammen spielen als enge Vertraute der werdenden Eltern eine wichtige Rolle in deren Wandlungsprozess. Sie begleiten die Paare in einer hochsensiblen Umbruchphase und können durch offene und wertungsfreie Kommunikation wesentlich dazu beitragen, dass ohne Angst über Sexualität gesprochen werden kann. In den NICE-Guidelines »Postnatal care up to 8 weeks after birth« (NICE 2006) wird sogar explizit empfohlen, die Frauen zwei bis sechs Wochen postpartum nach ihrer Rückkehr zur Sexualität und damit verbundenen Herausforderungen zu befragen. So kann eine sexuelle Dysfunktion frühzeitig erkannt und behandelt werden. Eine Aufklärung über natürliche Veränderungen der Sexualität im Verlauf der Schwangerschaft und im Prozess des Elternwerdens kann außerdem Unsicherheiten ausräumen und Sorgen mindern.

In diesem Sinne ist zu wünschen, dass die Beratung der werdenden Eltern durch weitere Forschung und durch die Integration in die alltägliche Hebammenarbeit kontinuierlich verbessert wird.

Rubrik: Ausgabe 2/2021

Vom: 26.01.2021