Anatomie des Gebärens

Die Muskeln nutzen!

Die Funktionsweisen der Muskeln sind wesentlich komplexer als »loslassen« und »anspannen«, »öffnen« und »schließen«. Um die Potenziale der Muskulatur für den Geburtsprozess optimal zu nutzen, müssen Hebammen die Anatomie kennen und die körperlichen Voraussetzungen jeder Frau erfassen. Schon in der Schwangerenberatung sollten sie den werdenden Eltern ein Verständnis dafür vermitteln, was Bewegung bewirken kann. Tara Franke

    Vor langer Zeit schrieb der Geburtshelfer Franz Naegele (1778 bis 1851): »Geburt ist das Ergebnis der austreibenden und widerstrebenden Kräfte«. Was mit diesen beiden Kräften gemeint ist, wird heute meist nur noch rudimentär gelehrt. Das hat erhebliche Auswirkungen auf das Verständnis der Geburtsphysiologie, besonders der protrahierten Geburten sowie der Einstellungs-, Stellungs- oder Lage­anomalien des Feten (Franke 2015a, 2020).

     

    (Heb-)Ammenmärchen

     

    In vielen Schilderungen des Geburtsprozesses wird dieser sehr komplexe Vorgang so vereinfacht, dass allein der Gebärmutter die Kraft zugeschrieben wird, das Kind zunächst gegen den Muttermund und dann bis auf die Beckenmitte oder den Beckenboden zu schieben, bevor die Bauchmuskulatur sie endlich kurz vor Schluss in den »Press-« oder Schiebewehen unwillkürlich unterstützt. Dabei hat die Bauchmuskulatur bei vielen Geburten schon in der Latenz- oder späten Eröffnungsphase eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für den Geburtsfortschritt (Franke, 2017).

     

     

    Abbildung 1: Verhalten von Gebärenden während der Wehen

     

    Die meisten Gebärenden setzen bereits in der Latenzphase die Bauchmuskulatur ein, beispielsweise durch das Greifen der Hände während der Kontraktionen (siehe Abbildung 1). Die aktive Rumpfmuskulatur unterstützt dabei das Aufrichten des Uterus, so dass die Cervix von sakral nach vorne kommt, sie unterstützt den Eintritt des Kindes in das kleine Becken und den gerichteten Druck auf den Muttermund.

    Wenn Begleitpersonen in der aktiven Austrittsphase angehalten werden, den Kopf der Frau auf die Brust zu drücken, helfen sie ihr leider nicht, mehr Kraft in der Rumpfmuskulatur zu entwickeln, sondern erreichen damit das Gegenteil. Dafür aktiviert der häufig von Gebärenden intuitiv nach hinten gestreckte Kopf ihre Bauchmuskeln – was nicht selten als »dem Schmerz ausweichen« missinterpretiert und dann unglücklicherweise unterbunden wird.

    Noch immer erklären auch zahlreiche Hebammen den Gebärenden, dass sie zur Geburt des Kindes den Beckenboden »loslassen« sollen, was gar nicht willentlich möglich ist, wenn das Kind den Muskel dehnt. Oder dass sie »viel Platz für das Baby« machen sollen, indem sie die Beine ganz weit spreizen, obwohl dies den Beckenboden viel eher zum Hindernis macht als eine entspannte Beinhaltung. Wenn Frauen in der Wehe instinktiv die Fersen anheben, werden sie nach wie vor vielerorts ermahnt, diese wieder abzustellen – wahlweise, um sich zu »erden«, den Beckenboden »lockerzulassen« oder um mehr Kraft aufbauen zu können. Dabei nutzen Gebärende diese Fußstellung tatsächlich instinktiv, um mehr Bauchmuskelaktivität zu erreichen und damit den Druck gegen den Beckenboden zu erhöhen (Franke, 2019a).

    All dies zeugt von einem sehr reduzierten, rein topografischen, teils sogar von einem grundlegend falschen Verständnis der Muskulatur der Gebärenden. Die Funktionsweise der Muskeln beim Geburtsprozess ist wesentlich komplexer als »loslassen« und »anspannen«, »öffnen« und »schließen«. Durch solche Vereinfachung entstehen viele falsche Vorstellungen, wie die einer angeblich störenden Muskelmasse bei sportlichen Frauen. Und es fehlt ein tieferes Verständnis für die Beeinflussungsmöglichkeiten dieser Strukturen vor und während der Geburt. Vor allem sind einzelne Muskeln immer Teil eines funktionellen Systems aus benachbarten Muskeln, Synergisten und Antagonisten, Reflexbögen und Muskelketten. Selbst die Vorstellung von einer relativ kontinuierlichen Öffnung des Muttermunds, dadurch bedingte falsche Erwartungen an den Geburtsfortschritt und letztlich oft verfrühte oder unnötig eingesetzte Interventionen wie der Wehentropf ist auf fehlendes Wissen über die funktionellen Zusammenhänge und die Physiologie des Geburtsprozesses zurückzuführen.

    Unser Körper und unsere Muskulatur sind so stark, flexibel und dehnbar, wie sie genutzt werden! Hebammen sollten daher am besten bereits im Studium lernen, welch vielfältige Eigenschaften Muskeln ausmachen, auf welch verschiedene Weisen sie funktionieren und wie sie beeinflusst werden können, um vor oder während der Geburt den Prozess zu erleichtern und zu ermöglichen.

     

    Die Flexibilität ist entscheidend

     

    Als Erstes fällt uns zu Muskeln meist die Masse ein, da diese besonders bei durchtrainierten Menschen sofort sichtbar ist. Sie wird durch Veranlagung, Training, Ernährung, Hormone, aber auch durch das Körpergewicht beeinflusst. Eine starke Muskulatur im Becken muss entgegen landläufiger Meinung kein Problem für die Geburt sein. Es kommt vielmehr darauf an, wie flexibel und dehnbar sie ist. Die meisten sportlichen Frauenhaben nicht nur einen stabilen und zugleich flexiblen Beckenboden, sondern auch eine entsprechend starke Rumpfmuskulatur, die es für die Geburt braucht. Dies trifft übrigens auch und gerade auf Reiterinnen zu. Entscheidend bei der Beckenbodenmuskulatur ist dann vor allem eine Geburtsposition, bei der trainierte Frauen diese Vorteile effektiv nutzen können (siehe auch Seite 22ff.). Außerdem sind Sportlerinnen häufiger gewohnt und motiviert, sich anzustrengen und Herausforderungen aus eigener Kraft zu meistern.

    Adipöse Frauen haben naturgemäß vermehrt Fettgewebe im Körper – und dies auch im Becken. Das weiche innere Fett stellt aber vermutlich kein allzu großes Hindernis für die Kinder dar, denn es gibt durchaus schwer adipöse Frauen, die problemlos gebären. Frauen, die ein großes Körpergewicht bewegen, brauchen dazu allerdings auch eine entsprechend starke Muskulatur. Dies betrifft besonders die Muskeln, die wir zum Aufrichten und Laufen benötigen, wie den Psoasmuskel über dem Beckeneingang und den Piriformismuskel in der Beckenmitte (Franke 2015a, 2020).

    Offensichtlich kommt es also nicht nur auf die Muskelmasse an, sondern auch darauf, ob diese Muskeln flexibel sind: Lassen sie sich vom kindlichen Köpfchen zur Seite schieben wie der Psoas oder aufdehnen wie der Levatormuskel? Die unterschiedliche Flexibilität ist bisweilen schon am Gang der Schwangeren abzulesen. Während eine Schwangere trotz hohen Körpergewichts durch einen leichten und beweglichen Gang auffällt, wechselt eine andere mühsam und schwerfällig von einem Fuß auf den anderen. Eine starke und zugleich starre Beckenmuskulatur lässt eher Probleme wie protrahierte Verläufe oder Fehleinstellungen erwarten.

     

    Muskeln stärken, dehnen und entlasten

     

    Des Weiteren haben Muskeln eine maximale und minimale Länge, die je nach Körperhaltung variiert. Langfristig wird sie von der Nutzung, der Veranlagung, der Temperatur, dem Zustand der Faszien und dem Alter der Person bestimmt. Regelmäßiges und vielseitiges Bewegen und gelegentliches Dehnen (möglichst nach dem Aufwärmen) verstärken diese Bandbreite, während monotone Körperhaltungen wie beim Arbeiten am Schreibtisch oder das zwangsweise Verharren in einem Gipsverband sie auf die Dauer verringern. Das alltägliche Verhalten und die körperliche Betätigung sind also mitentscheidend.

    Schwangere Frauen können selbst aktiv werden, um die körperlichen Voraussetzungen für die Geburt zu unterstützen. Ein individuell angepasstes Yoga beispielsweise kann sowohl die Kraft der Muskeln stärken, als auch deren Flexibilität, Durchblutung und Nährstoffversorgung fördern, vor allem aber die Dehnbarkeit der Muskeln und Faszien verbessern. Diese Körper-, Atem- und Entspannungsmethode kann nachweislich körperliche Beschwerden in der Schwangerschaft wie Rücken- oder Beckenschmerzen und sogar Wehenschmerzen verringern, aber auch Stress, Ängste und Schlafstörungen lindern (Aflahiyah, 2020; Bolanthakodi, 2018; Chen, 2017; DGGG, 2021; Hayase, 2018; Hoden, 2019; Jahdi, 2017; Kawanishi, 2015; Kinser, 2017; Lin, 2022).

     

    Entlastung schafft Platz

     

    Es muss nicht immer eine aktive Dehnung eines Muskels sein, auch die Stärkung der Antagonisten und Synergisten oder eine gezielte Entlastung der Muskeln durch bestimmte Körperpositionen kann dem Kind den Weg durch das Becken erleichtern. Eine einfache und effektive Entlastungshaltung des Psoasmuskels in der Schwangerschaft ist die Stufenlagerung der Unterschenkel (siehe Abbildung 2). Sie fördert gleichzeitig den Rückfluss der Lymphe bei Ödemen. Daher sollte sie nicht bei hohem Blutdruck oder Herzproblemen angewendet werden. Auch bei einer Neigung zum Vena-cava-Kompressionssyndrom ist Vorsicht geboten.

     

     

    Abbildung 2: Stufenlagerung der Unterschenkel

    Illustrationen: Tara Franke

     

    Eine starke Entlastung des Psoas-, vor allem aber des Piriformismuskels, der bei Verspannung zu Ischiasproblemen und während der Geburt zu Einstellungsanomalien und protrahiertem Verlauf in der Beckenmitte führen kann, lässt sich sehr effektiv durch ein passives Anheben des Beckens erreichen, zum Beispiel durch den Partner oder die Partnerin auf einem Sitzball (siehe Abbildung 3). Auch hier sollten bei der Gebärenden zuvor Herz- oder Kreislaufprobleme ausgeschlossen werden.

     

     

    Abbildung 3: passives Anheben des Beckens durch den Partner

    auf einem Sitzball

     

    Alternativ und während der Geburt leicht anzuwenden bietet die Seitenlage mit gut gestütztem Bauch, Unterschenkel und Fuß eine Entlastung sowohl für den Psoas- als auch den Piriformismuskel (siehe Abbildung 4).

     

     

    Abbildung 4: Seitenlage mit gut gestütztem Unterschenkel

    und Fuß

     

    Außerdem wirken abgestützte und anhängende Haltungen entlastend auf die gesamte Beckenmuskulatur. Eine weitere Möglichkeit ist der Aufenthalt in einer Wanne mit hohem Wasserstand, da der Auftrieb des Wassers einen großen Teil des Körpergewichts übernimmt, das dann die Muskulatur nicht selbst halten muss (siehe Abbildung 5).

     

     

    Abbildung 5: Vierfüßler im Wasser

     

    Bei aufrechten Haltungen an Land ist das Knien für die Beckenmuskulatur deutlich leichter als das Stehen, was durch das Anhängen an einem Tuch oder der Begleitperson zusätzlich unterstützt werden kann (siehe Abbildung 6).

     

     

    Abbildung 6: Knien am Tuch

     

     

    Die Kraft erhalten und fördern

     

    Muskeln verfügen über eine gewisse Kraft, die durch ihre Nutzung im Alltag, im Training, durch die individuelle Veranlagung und das Geschlecht beeinflusst wird, aber auch durch die zur Verfügung stehende Energie und nicht zuletzt durch den Wasser-, Mineral- und Sauerstoffgehalt im Muskel. Wenn Frauen beispielsweise längere Zeit während der Geburt nicht oder sehr wenig trinken, kann es schnell zu Leistungseinbrüchen und damit zu protrahierten Geburten kommen. Langfristiger Wassermangel kann zusätzlich zu rigiden Faszien und damit zu unflexibleren Muskeln führen.

    Die Kraft eines Muskels hängt zudem von seiner möglichst geraden Zugrichtung ab – ein Problem bei der »Maikäferhaltung« in der Austrittsphase, da diese die Bauchmuskeln stark beugt und dadurch schwächt. Daher strecken viele Gebärende instinktiv ihren Körper, wenn sie das Kind hinausschieben (Franke, 2019a). Außerdem benötigen die Bauchmuskeln für eine optimale Krafterzeugung Fixpunkte für die Extremitäten, also Möglichkeiten, sich zu halten, abzustützen oder abzustoßen.

     

    Der Tonus variiert

     

    Muskeln können mehr oder weniger aktiv sein, wie beim Verrichten einer Arbeit oder im Schlaf. Wir unterscheiden die unwillkürliche Aktivierung der glatten Muskulatur wie beim Darm, bei der Gebärmutter oder den Blutgefäßen und der quergestreiften Skelettmuskulatur oder des Herzens. Interessant ist aber auch, sich die Variabilität des Muskeltonus zu vergegenwärtigen. Der mögliche Spannungszustand eines Muskels spielt sich – ebenso wie die Muskellänge – eher auf einer gewissen Bandbreite ab. Es gibt nicht nur »angespannt« und »locker«, sondern ein großes Spektrum dazwischen. Ein passender Tonus ist der, der die zu leistende Arbeit gut oder bestmöglich gewährleistet. Der Tonus eines Muskels ist beispielsweise abhängig von Bewegung, Aufgabe, Nutzung, (Para-)Sympathikus, Stress, Angst, Müdigkeit oder der Körperposition.

    Frauen senken während der Geburt intuitiv ihren Muskeltonus, wenn sie ihr Becken schaukeln oder kreisen. Er kann durch Wärme, Massage, ein Bad, Bewegung, Belastung, Schmerz, Atmung, Hypnose und mehr beeinflusst werden. Gerade beim Yoga sehen wir, dass ein Muskel nicht »locker« sein muss, um dehnbar zu sein, sondern durchaus sehr aktiv sein kann, während er gestreckt und gedehnt wird. Das Gleiche gilt für die Geburt.

    Ein sehr hoher Tonus der Beckenmuskulatur kann die Dehnung für die Passage des Kindes allerdings behindern und Schmerzen verursachen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn in der Latenzphase das Kind noch über dem Beckeneingang steht und in der Wehe auf einen »angespannten« hypertonen Psoasmuskel drückt (Franke, 2015b). Tatsächlich lokalisieren die Frauen den teils massiven Schmerz dann auch genau im Verlauf des Psoas, nämlich im unteren Rücken, in der Leiste und/oder in die Beine ausstrahlend. Die fehlende Nachgiebigkeit kann zu Einstellungs-, Haltungs- und Stellungsanomalien führen.

    Hypotone Muskeln dagegen können zwar dem Kind das Überwinden der mütterlichen Muskulatur erleichtern, bieten ihm aber auch wenig Widerstand und führen daher häufiger zu Fehleinstellungen – und zu Geburtsverletzungen bei der Gebärenden. Hypotone Bauchmuskeln können zudem das Tiefertreten des Kindes und die aktive Austrittsphase verlängern.

     

    Den Körper anders erfassen und unterstützen

     

    Schon 1920 bemerkten die Dresdner Geburtshelfer Erwin Kehrer und W. Lahm »zum Mechanismus der Geburt«: »Nicht immer wird man vor der Geburt alle die Kräfte richtig bewerten können, von denen im Einzelfall der Verlauf der Geburt abhängt. Umso notwendiger ist es daher, alle irgendwie beurteilbaren motorischen Kräfte und die Widerstände einer Betrachtung zu unterziehen und sie in ihrer möglichen Bedeutung gegeneinander abzuwägen. Dazu gehören auch Ernährung und Ernährungszustand der Mutter, ihr Alter bei der ersten Geburt, Straffheit der Bauchdecken, Stärke der Ligamenta rotunda, die Frage, ob Erst- oder Mehrgebärende, sowie die Untersuchung des Beckens und seiner Weichteile. Von dem Zusammenspiel dieser Kräfte und Widerstände wird die Lage und Haltung des Kindes und besonders die Einstellung des vorangehenden Kindesteils im Beckeneingang in weitgehendere Masse bestimmt.« (Kehrer & Lahm, 1920)

    Leider ist die Beobachtung der individuellen körperlichen Verfassung der Mutter in der Vorsorge heute vermehrt technischeren Untersuchungen gewichen. Scheinbar objektive Messungen durch Sonografie, CTG oder Laborwerte sagen uns aber wenig über die Eigenheiten, Stärken und möglichen Schwächen einer Schwangeren und ihres Körpers.

    Es sollte beim Wahrnehmen ihrer körperlichen Voraussetzungen nicht darum gehen, Frauen erneut auf »Risiken« zu screenen und zu verunsichern, sondern darum, individuell auf ihre Bedürfnisse einzugehen, ihre körperlichen Signale und ihre Konstitution besser zu verstehen und entsprechende Übungen, Körperhaltungen, Bewegungen oder Behandlungen zu empfehlen, die der Frau und ihrem Kind die Schwangerschaft und den Geburtsprozess erleichtern.

    Vermutlich gibt es grundsätzlich verschiedene Körper- und Geburtstypen. Manche Frauen haben einen »weichen« Körper und eine große Gelassenheit. Manchen hilft das Erlernen von Hypnose, sodass sie recht leicht, mit wenig Widerstand der Muskeln, geringem Kraftaufwand und relativ wenig oder gar ohne Schmerz gebären. Andere Frauen sind sehr muskulös, vielleicht auch mit einem höheren Grundtonus ausgestattet, und nutzen für die Geburt mehr Kraft und eher aufrechte Positionen. Und dieselbe Frau kann je nach Lebensumständen und körperlicher Verfassung sehr unterschiedliche Geburten erleben. Unsere Aufgabe als Hebammen ist die einfühlsame und fachlich fundierte Begleitung jeder einzelnen Frau und ihrer Eigenart.

     

    Wissen macht beweglicher

     

    Hebammen und Ärzt:innen, junge Menschen und werdende Eltern sollten mehr über die Bedeutung der individuellen Konstitution erfahren, aber auch über die Auswirkungen der Lebensführung, Ernährung, Sport, Bewegung, Kraftaufbau und Dehnung auf den Körper. Mit Erklärungen, praktischen Tipps und der Motivation zu mehr Bewegung und gesunder Ernährung können Hebammen werdende Mütter schon in der Schwangerenberatung und Geburtsvorbereitung unterstützen. Zwei Spaziergänge von 15 bis 20 Minuten täglich oder regelmäßige Wege auf dem Fahrrad können ein Anfang sein. Außerdem können Hebammen noch mehr Bewegung, Körperarbeit und Dehnungsübungen in ihre Kurse aufnehmen. Werdenden Eltern sollte ein besseres Verständnis für die Bedeutung der Muskulatur und der Bewegung für die gesunde Schwangerschaft und die Geburt vermittelt und erfahrbar gemacht werden.

    Vor allem sollten Hebammen und Ärzt:innen ein profundes Wissen über die funktionelle Anatomie des weiblichen Körpers und deren Auswirkungen auf die Geburt besitzen. So können sie den Frauen bei muskelbedingten Schmerzen und Problemen wie protrahierten Geburten gezielter und effektiver helfen.

    Rubrik: Ausgabe 09/2022

    Vom: 25.08.2022