Gehören Schmerzen zum Wochenbett?

Werdende Eltern beschäftigen sich im Vorfeld meist intensiv mit den Schmerzen, die die Wehen mit sich bringen können. Oft heißt es dann, mit der Geburt des Kindes seien die Schmerzen schlagartig verschwunden. Doch viele Frauen erleben auch im Wochenbett Schmerzen unterschiedlicher Art und Intensität. Viele wissen nicht, was sie dagegen unternehmen können oder welche Medikamente sie einnehmen dürfen – insbesondere, wenn sie stillen. Tara Franke
  • Die Schmerzerfahrung während und nach der Geburt kann einen Einfluss auf Schmerzen im Wochenbett haben.

Gehören Schmerzen zum Wochenbett? Etwa die Hälfte der Frauen nach einer Spontangeburt empfindet Schmerzen am Damm, wobei es bei vaginal-operativen Geburt und der Episiotomie deutlich mehr sind. Bis zu 68 % sind es nach einer US-amerikanischen Studie von Eugene R. Declercq (Declerque et al. 2008). Acht von zehn Frauen, die ihr Kind per Sectio zur Welt brachten, berichten von Schmerzen durch die Operation, wobei jede dritte angibt, dass diese Schmerzen ihr größtes Problem nach der Geburt waren.

Die Schmerzerfahrung beziehungsweise -linderung während und nach der Geburt kann einen Einfluss auf Schmerzen im Wochenbett haben (Kalagac 2011). Jeder starke Schmerz kann Spuren hinterlassen und das sogenannte »Schmerzgedächtnis« aktivieren. Etwa 6 bis 18 % der Frauen nach einem Kaiserschnitt erleben chronische Schmerzen, nach vaginaler Geburt sind es 4 bis 10 %. Risikofaktoren sind bereits vor der Schwangerschaft bestehende chronische Schmerzen, aber auch eine Vollnarkose sowie starke Schmerzen nach der Geburt. Die AutorInnen dieser Studie betonen, wie wichtig die Vermeidung einer »zentralen Sensibilisierung« sei, also einer Sensibilisierung von Nozizeptoren und damit einer Aktivierung des Schmerzgedächtnisses. Sie weisen darauf hin, dass eine adäquate lokale Betäubung sowie Antihyperalgetika nach der Geburt das Risiko für chronische Schmerzen senken können. Antihyperalgetika, wie Ibuprofen oder Aspirin, senken eine erhöhte Reizschwelle für Schmerzen wieder auf ein normales Niveau. So beugen sie einer Chronifizierung der Schmerzen vor (Gemeinsamer Bundesausschuss 2013). Eine andere Studie deutet beispielsweise an, dass auch der therapeutische Einsatz von selbst ausgewählter Musik während der Geburt Schmerzen und Angst bis ins Wochenbett hinein reduzieren kann (Simalvi et al. 2014).

 

Tipps bei Schmerzen im Wochenbett

 

  • täglich ausreichend trinken
  • an der frischen Luft bewegen
  • wenn das Baby schläft, selbst Schlafmangel ausgleichen
  • Schläfen und Stirn können mit ätherischem Pfefferminz- oder Lavendelöl massiert werden.

Quelle: Moll 2018

»Die Beurteilung von Geburtsschmerzen und die Wirkung von Schmerzmitteln während der Geburt, bei akuten Schmerzen nach dem Kaiserschnitt und bei Schmerzen, die längere Zeit nach der Geburt andauern, haben sich als komplex und schwierig erwiesen.« (Landau et al. 2013). So hat sich gezeigt, dass Menschen mit unterschiedlicher Veranlagung ebenso unterschiedlich auf Schmerzmittel reagieren, so wie es individuelle, familiäre, kulturelle und viele weitere Unterschiede gibt. Die Einschätzung der Stärke der Schmerzen und der Erfolg einer Schmerzbehandlung sind daher praktisch nur möglich, wenn die Wöchnerin danach gefragt wird.

Wenn Schmerzbehandlungen nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann es an der falschen Medikation oder an der unzureichenden Menge, aber auch an der falschen Einschätzung der Schmerzursache liegen. So sollte im Wochenbett – wie sonst auch – bedacht werden, dass Schmerzen ein Alarmsignal des Körpers sind, beispielsweise, wenn Verletzungen unerkannt geblieben sind oder sich okkulte Entzündungsprozesse im Körper abspielen. Diese müssen nicht immer direkt mit der Geburt in Verbindung stehen und benötigen daher manchmal ein fachfremdes Konsil.

Schmerzen können zudem ein Ausdruck oder ein Symptom einer schweren seelischen Belastung sein, wie bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) nach einer traumatisierenden Geburt. Schmerzen in Verbindung mit negativen Gefühlen verstärken wiederum signifikant die Symptome einer PTBS sechs Wochen nach der Geburt (Goutaudier et al. 2012).

Zudem besteht die Möglichkeit, dass Frauen aufgrund besonderer Schmerzbiografien extrem schmerzsensibel sind oder schlecht auf die üblichen medikamentösen Therapien ansprechen. Manche dieser Frauen haben auch schon eigene Kompetenzen im Umgang mit chronischen Schmerzen entwickelt.

 

Fallbeispiel: Frau mit ausgeprägter Schmerz-Biografie

 

Eine 36-jährige Zweitgebärende meldet sich zur Geburt im hebammengeleiteten Kreißsaal einer Klinik an. Ihre Tochter ist bereits 14 Jahre alt, sie wurde mit sekundärer Sectio geboren. Die Schwangere hatte danach drei Fehlgeburten und leidet unter einer Endometriose, die ihr große Schmerzen bereitet. Im Mutterpass findet sich zudem der Eintrag, dass sie an leichten Depressionen leidet. Sie hat sich mit einer Hypnose-Selbsthilfe-Methode auf die Geburt vorbereitet, die sie über Kopfhörer auch während der Geburt anwenden will, um sich besser entspannen zu können. Außerdem bringt sie einen ausführlichen »Geburtswunsch« mit, weil sie möglichst ohne jegliche Störung und Intervention gebären möchte. Darin findet sich aber auch der Eintrag, dass sie für den Fall einer weiteren sekundären Sectio möglichst eine Periduralanästhesie haben möchte, die danach unbedingt für das Wochenbett liegen bleiben soll, da sie große Sorge vor möglichen Schmerzen im Wochenbett hat.

 

Der Körper reagiert auf die Psyche

 

Schmerzen an der Stillbrust betreffen etwa jede dritte Frau (Woolhouse et al. 2013). Noch bevor sie aus der Klinik entlassen werden, klagen viele stillende Mütter über Schmerzen an den Mamillen. Einer australischen Studie zufolge taten dies acht von zehn Frauen. In den ersten zwei Monaten hatte mehr als die Hälfte der Befragten verletzte Brustknospen und jede vierte berichtete von stechenden Schmerzen durch einen Vasospasmus der Milchgänge. Auch nach acht Wochen schmerzten immer noch bei jeder fünften Frau die Brustknospen (Buck et al. 2014). Dies zeigt, wie wichtig die Beratung zu korrekten Anlegetechniken, Brustpflege, vorbeugenden und heilenden Maßnahmen sind.

Eine weitere frühe Schmerzursache ist, wie der dramatische Name es schon andeutet, der Milcheinschuss. Mit warmen Kompressen vor dem Stillen und anschließendem Kühlen, beispielsweise mit Kohlblättern, lässt er sich jedoch meist relativ schnell überwinden (Boi et al. 2012; Disha et al. 2015; Lim et al. 2015; El-Saidy & Aboushady 2016).

Heftiger und langwieriger können Milch‧stau und Brustentzündung sein. Jede Hebamme weiß um die enge Verbindung von Psyche und Brustproblemen im Wochenbett. Vielfach geht es den Frauen erst besser, wenn der zugrundeliegende Stress oder Konflikt gelöst ist (siehe Fallbeispiel rechts).

 

Fallbeispiel: Ein schmerzhafter Konflikt

 

Eine 42-jährige Sechstgebärende kommt aus der Kinderklinik in den Kreißsaal, da sie schmerzhafte Knoten in der Stillbrust hat. Ihr zehn Tage altes Kind wurde direkt nach der Geburt in die benachbarte Herzklinik aufgenommen und darf nur die abgepumpte Milch der Mutter trinken. Davon gibt es zwar genügend, aber bald haben sich diverse schmerzhafte Knoten in der rechten Brust gebildet. Ich erkläre der Frau, wie sie die Brust sanft auf das Pumpen vorbereiten kann, und gebe ihr Tipps zum anschließenden Kühlen. Sie nimmt alles auf, wirkt aber nicht erleichtert und deutet an, dass alles für sie sehr stressig ist. Daher gebe ich Anregungen, wie sie aktiv dem inneren Stress entgegenwirken könnte, woraufhin sie schließlich einen ernsten Konflikt schildert. Ihre Schwiegereltern erzählen den älteren Kindern zu Hause immer wieder, sie sei eine schlechte Mutter und Gott strafe sie dafür mit diesem kranken Kind. Jetzt fließen endlich die Tränen. Ich erinnere sie an den Segen unserer beiden Ohren (zum einen rein, zum anderen raus …), was sie zum Lachen bringt. Dann frage ich sie, ob ihre Kinder sie für eine gute Mutter halten – was sie vehement bestätigt. Wir reden noch eine Weile über ihre Kinder. Schließlich geht sie und verspricht, sich zwischen den Besuchen in der Herzklinik mehr Zeit zum Schlafen und Ausruhen zu gönnen. Ich bitte sie, wieder in den Kreißsaal zu kommen, wenn es nicht bald besser wird – aber sie meldet sich in den nächsten Tagen nicht mehr.

 

Wundermittel Schlaf

 

Eine der häufigsten Klagen junger Eltern ist der Schlafmangel. Jede zweite bis dritte Mutter berichtet zwei bis sechs Monate nach der Geburt von überdurchschnittlicher Müdigkeit und Erschöpfung (Thompson et al. 2002; Woolhouse et al. 2013). Schlechter Schlaf kann eine Reihe physischer und psychischer Effekte haben (van Dongen et al. 2003). Stete Müdigkeit und gestörte Nachtruhe können sich negativ auf bestehende Schmerzen auswirken (Okifuji & Hare 2011; Finan et al. 2013; Alsaadi et al. 2014). Ausreichend Schlaf und Ruhe dagegen helfen, Schmerzen weniger stark zu empfinden oder besser damit zurechtzukommen (Hamilton et al. 2007). Hier bedarf es häufig einer längeren Beratung und Bestärkung der Eltern, um ihnen klarzumachen, dass sie aktiv für Ruhe sorgen sollten und dürfen.

Schlafmangel und -störungen scheinen neben anderen negativen Effekten aber auch akute Schmerzen des unteren Rückens häufig zu verstärken (Alsaadi et al. 2014).

 

Rückenschmerzen können viele Ursachen haben

 

Bei etwa 10 bis 20 % aller Frauen treten nach der Schwangerschaft zum ersten Mal in ihrem Leben Schmerzen an der Lendenwirbelsäule und/oder am Kreuzbein auf. Jede dritte Frau hat einer schwedischen Studie zufolge drei Monate nach der Geburt lumbosakrale Schmerzen, die 40 % davon als beeinträchtigend erleben (Gutke et al. 2011).

Knapp die Hälfte der Mütter klagt zwei bis sechs Monate nach der Geburt des Kindes noch über Rückenprobleme (Thompson et al. 2002; Woolhouse et al. 2013). Anhaltende leichte Rückenschmerzen ein Jahr nach der Geburt betreffen fast jede fünfte Frau nach einem Kaiserschnitt (18 %) und jede zehnte Frau nach einer vaginalen Geburt (Kainu et al. 2010).

Neuen Erkenntnissen zufolge könnte eine feinere Justierung beim Legen einer Periduralanästhesie das Risiko für spätere Rückenschmerzen senken. So hat ein Forscherteam verglichen, wie die Schmerzen nach einer PDA waren, wenn diese, wie üblich, nach Tastbefund oder nach einer genaueren Lokalisation mittels vorherigen Ultraschalls gelegt wurde. Nach vorheriger sonografischer Orientierung war die Rate an postpartalen Rückenschmerzen signifikant verringert (Wilkes et al. 2017).

Rückenschmerzen aufgrund geschwächter und überdehnter Bauch- und Beckenbodenmuskeln bessern sich häufig durch ein kombiniertes Beckenboden- und Bauchmuskeltraining (Malhotra & Chahal 2018). Eine Rektusdiastase scheint dabei keinen Einfluss auf das Risiko lumbosakraler Schmerzen zu haben (da Mota et al. 2015). Bei längerfristigen Rückenschmerzen kann bei manchen Menschen auch die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness based stress reduction/MBSR) den Schmerz im Rücken lindern helfen (Cramer et al. 2012). Diese Methode ist ein etabliertes und relativ gut erforschtes Training zur Selbsthilfe gegen Stress, das unter anderem aus Meditation, Psychologie und Stressforschung entwickelt wurde (vgl. Pinter M: Geburtsvorbereitung mit Achtsamkeit: Atmen – Lächeln – Innehalten, DHZ 6/2018, Seite 37ff.).

Beschwerden im »Kreuz« können aber auch ernstere Ursachen haben. Nicht wenige Frauen klagen über Beckengürtelschmerzen, die jedoch selten gründlich untersucht und adäquat behandelt werden (Bulcke et al. 2017; Cameron et al. 2017). Einzelne Frauen haben die Schmerzen vor allem in den Hüftgelenken, andere im Kreuzbein, aufgrund eines Bruchs – beides kann durch eine bisher unerkannte Osteoporose auftreten (Svensson et al. 2014).

 

Geburtsverletzungen lindern

 

Wie zu erwarten, korreliert die Intensität der Schmerzen am Genitale mit der Schwere der Geburtsverletzung (Macarthur & Macarthur 2004, vergleiche Abbildung). Postpartale Schmerzen am Genitale und im Becken werden in verschiedenen Ausprägungen geschildert: brennend, schneidend, stechend oder ausstrahlend. Eine angemessene Behandlung und angepasste Beckenbodengymnastik sollten langfristigen Beschwerden vorbeugen (Ahlund et al. 2019). Eine Risikogruppe für anhaltende Schmerzen sind auch hier Frauen mit vorherigen chronischen Schmerzen in der Anamnese (Paterson et al. 2009).

Neben der Schonung des verletzten Gewebes durch Liegen, Ruhen und Hygiene gibt es verschiedene Schmerzmittel, die eingesetzt werden können. Zwei Studien mit geringer Probandinnenzahl lassen vermuten, dass Lavendelöl gegen perineale Schmerzen helfen kann (Umaroh et al. 2017; Tan et al. 2012). Auch hat sich Infrarotlicht zur Schmerzbehandlung als hilfreich erwiesen (El Lassy & Madian 2019). Das Kühlen der Wunde wirkt zwar gelegentlich schmerzlindernd, kann aber aufgrund der Störung der Heilungsprozesse im verletzten Gewebe nicht empfohlen werden (Büthe & Schwenger-Fink 2020).

 

Schmerzmitteleinnahme im Wochenbett

 

Ein Cochrane-Review zur Wirkung von Paracetamol auf Schmerzen bei Geburtsverletzungen analysierte zehn Studien mit 1.367 Frauen. Demnach hilft der Wirkstoff als einmalige Gabe von 500 bis 1.000 mg effektiv gegen Schmerzen, besonders nach einer Episiotomie, und wird als gut verträglich auch beim Stillen bewertet (Chou et al. 2013). Ebenso wirken rektale Suppositorien mit nicht-steroidalen entzündungshemmenden Wirkstoffen wie Diclofenac oder Ibuprofen schmerzstillend am ersten Tag nach der Geburt (Hedayati et al. 2003). Ibuprofen sollte jedoch nicht von Müttern mit herzkranken Kindern eingenommen werden und Diclofenac sollte von Stillenden nur gelegentlich genutzt werden. Aspirin scheint weniger wirksam zu sein und gilt in Mengen von mehr als 1,5 g pro Tag und bei wiederholten Einnahmen ebenfalls wegen der Übergabe an das gestillte Kind als ungünstig für stillende Frauen (Molakatalla et al. 2017; Moll 2018). Für die Wirksamkeit lokaler Schmerzmittelanwendungen gibt es keine aussagekräftigen Studien (Hedayati et al. 2005). Bei Dammrissen mit Sphinkterbeteiligung sollten außerdem Laxantien für erleichterten und weniger schmerzhaftem Stuhlgang und ballaststoffreiche Kost mit viel Flüssigkeitseinnahme angeboten werden (Mahony et al. 2003).

Aber auch starke Schmerzen nach einer Sectio sollten angemessene Beachtung und Behandlung erfahren, denn sie führen zu schlechteren Stillerfolgen, erhöhen das Risiko einer postpartalen Depression und verlängern signifikant den Aufenthalt in der Klinik (Babazade et al. 2019). Allerdings zeigt eine Studie in einer kleineren Klinik, dass es möglich ist, durch klare Standards und Schulungen der Betreuenden die Rate und Menge an Opioidgaben auf der Wochenstation deutlich zu senken, ohne dass die Frauen dadurch mehr Schmerz angeben (Gosiewski et al. 2019).

 

Welche Medikamente helfen im Wochenbett?

 

  • Paracetamol – besonders nach einer Episiotomie
  • nicht-steroidale, entzündungshemmende Wirkstoffe wie Diclofenac (nur gelegentlich) oder Ibuprofen (nicht bei Müttern mit herzkranken Kindern)
  • bei Dammrissen mit Sphinkterbeteiligung sollten Laxantien angeboten werden.

Eine Übersicht über Schmerzmittel nach der Geburt und beim Stillen finden Sie unter: www.netdoktor.de/baby-kleinkind/stillen-und-medikamente/

 

Informiert betreuen

 

Die Betreuenden sollten die Vielzahl der möglichen Ursachen von körperlichen Schmerzen in der ersten Zeit post partum im Blick haben sowie schnell und gezielt eine passende Schmerztherapie anbieten. Die bestmögliche Schmerzbegleitung und -behandlung ist umso wichtiger, um das Bonding zu unterstützen und die für eine gute Milchbildung notwendige Entspannung zu fördern. Außerdem weiß man heute, dass liebevolle Berührung durch andere Menschen und besonders durch eine geliebte Person sich messbar lindernd auf das Empfinden körperlicher Schmerzen von Frauen auswirkt.

 

Die Visuelle Analogskala: Schmerzen erfassen

 

Schmerz ist eine komplizierte Gehirnreaktion und wird individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen. Eine wirkungsvolle Behandlung ist häufig nur sehr schwer zu erreichen.

1983 wurde von Donald Price und seinen KollegInnen die Visuelle Analogskala (VAS) entwickelt. Sie dient der Selbsteinschätzung wahrgenommener Schmerzen auf einer 10-Zentimeter-Linealskala, wobei 0 für keine Schmerzen und 10 für die schwersten Schmerzen steht. Die PatientInnen werden gebeten, ihr aktuelles Niveau der Schmerzwahrnehmung auf der Skala zu markieren, und die Zahl, die dem markierten Punkt entspricht, wird als Schmerz-Score festgehalten und dokumentiert. Die Skala hat sich über die Jahre als Goldstandard der Schmerzerfassung bewährt und sollte auch Anwendung bei den Hebammen finden (Schomacher 2008).

Sie kostet uns nichts als die gezielte Frage: „Auf einer Skala von 0 bis 10, wie stark schätzen Sie Ihren Schmerz jetzt ein?“ Der Wert wird mit Uhrzeit dokumentiert und sollte eine angemessene Behandlung nach sich ziehen.

Quellen: Price D, McGrath P, Rafii A, Buckingham B: The validation of visual analogue scales as ratio scale measures for chronic and experimental pain. Pain 1983. 17(1): 45–56. Schomacher J: Gütekriterien der visuellen Analogskala zur Schmerzbewertung. Physioscience 2008. 4(03):125–133

Rubrik: Ausgabe 08/2020

Vom: 23.07.2020