Die Frau als Kräftezentrum

  • Eintauchen in die Welt der Paula Modersohn-Becker: Birgit Heimbach neben dem Selbstbildnis als Schwangere am 6. Hochzeitstag 1906

  • Die Malerin Paula Modersohn-Becker starb 1907 mit 31 Jahren an einer Embolie im schlecht betreuten Wochenbett (siehe Kulturteil). Die mittlere Lebenserwartung einer Frau betrug damals 48 Jahre. Heute, ein Jahrhundert später, sind es 80 Jahre. Dank der besseren Lebensbedingungen und Fortschritte der Medizin. In Bezug auf die weibliche Lebenserwartung, die ein wesentlicher Indikator zur Beurteilung der gesundheitlichen Lage der Bevölkerung ist, liegt Deutschland derzeit im europäischen Vergleich in der Mitte. Haupttodesursache sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

    Gesundheitsgefährdungen, denen Frauen ausgesetzt sind, nennt der „Bericht zur gesundheitlichen Situation von Frauen in Deutschland". Das 700 Seiten starke Nachschlagewerk wurde vor drei Jahren vom Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegeben, um eine veränderte – nämlich geschlechtsspezifische – Gesundheitspolitik einzuläuten: Frauen sind anders krank als Männer und müssen anders behandelt werden. Formuliert wurden in dem Bericht auch frauenzentrierte Ansätze in der Gesundheitsförderung. Wichtig sei dabei, dass der weibliche Körper nicht als Risiko, sondern eher als Kräftezentrum gesehen wird. Der Focus soll sich nicht mehr ausschließlich auf Krankheiten richten, sondern auf die Gesundheit, die als „State of Well-Being" verstanden werden soll.

    Wir sind der Frage nachgegangen, welche Projekte es inzwischen im Bereich „Frauengesundheit" gibt und wie sich Hebammen engagieren können. Die Hebamme Barbara Staschek stellt zwei Modelle in der kommunalen Gesundheitsförderung vor. Für viele Hebammen wäre es reizvoll, sich um Frauengesundheit vor und – parallel zum eigenen Altern und Reifen – nach der reproduktiven Lebensphase zu kümmern. Die Hebamme Ann Buchgraber beschreibt, wie finnische Hebammen bereits durch ihre Ausbildung in der Lage sind, Frauen in verschiedenen Lebensphasen gesundheitsfördernd zu unterstützen.

    Autorinnen des Titelthemas sind unter anderen die Soziologin Prof. Dr. Cornelia Helfferich, die an dem Gesundheitsbericht des Bundesministeriums mitgewirkt hat, und die Frauenärztin Mareike Koch. Sie hat zunächst im Zuge der Frauenbewegung eines der autonomen Frauengesundheitszentren mitbegründet und leitet nun die Bundeskoordination Frauengesundheit. Wir freuen uns, dass Dorothea Rüb, Redakteurin der Österreichischen Hebammenzeitung, für uns geschrieben hat. Die Hebamme studiert Gender Studies mit Schwerpunkt Frauengesundheit. In ihrem Beitrag geht es um die Gesundheit von Hebammen. – Wie alt die Hebamme, die Paula Modersohn-Becker zu Hause entbunden hatte, geworden ist und wie ihre Lebensqualität war, habe ich übrigens nicht herausgefunden, auch nicht über die Nachfahren.