Erfolge eines Screenings

Kleine Besonderheiten und etwas ungewöhnliche Anpassungsphänomene wie schnelles Ermatten beim Stillen, ein bestimmter Farbton der Haut oder ein Geruch verraten, dass ein Neugeborenes krank ist. Es kann lebensrettend sein, dies schnell zu erkennen. Screenings ermöglichen Diagnosen sogar noch vor dem ersten Symptom, da sie schon vorher gezielt nach bestimmten Krankheiten fahnden. Sie werden zur Regelleistung, wenn sie Kriterien erfüllen wie eine positive Kosten-Nutzen-Relation, signifikanter Krankheitswert und Behandelbarkeit, Methodensicherheit, Verfügbarkeit von Bestätigungsdiagnostik und flächendeckende Nachsorge. Denn laut Sozialgesetzbuch V ist die Früherkennung von Krankheiten bei Kindern eine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Zwischen 2001 und 2004 wurde das Neugeborenenscreening per Gesetz auf 14 angeborene Hormon- und Stoffwechselstörungen erweitert. Mit Erfolg: Unter 500 Neugeborenen wird ein Erkranktes entdeckt und frühzeitig behandelt. Und: Weniger Säuglinge sterben am Plötzlichen Kindstod (Sudden Infant Death Syndrom, SIDS). Das ist für viele überraschend – für PD Dr. Chris Mühlhausen, Stoffwechselexperte an der Uniklinik Eppendorf in Hamburg (UKE), ist dies nur logisch: „Zuvor galten Kinder als SIDS-Fall, wenn sie aufgrund einer unentdeckten und unbehandelten Stoffwechselerkrankung verstarben.“

Ein Screening, das direkt die SIDS-Rate reduzieren soll, wäre die Dopplersonografie der kindlichen Hirnarterien, die Prof. Dr. Karl-Heinz Deeg von der Bamberger Kinderklinik entwickelt hat. Dabei sollen die Säuglinge herausgefiltert werden, deren Blutzufuhr zum Gehirn in manchen Lagen, vor allem auf dem Bauch, reduziert ist. Laut Deeg müssen diese Kinder beim Schlafen unbedingt vor diesen Positionen bewahrt werden. Dr. Axel Feldkamp, Vorsitzender der Sektion Pädiatrie der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM), empfiehlt Deegs Sonografie-methode für alle Neugeborenen, weil sie einfach und nicht invasiv sei. Sie ist jedoch auch teuer und personalaufwändig. Prof. Dr. Dominique Singer, Leiter der Neonatologie am UKE, hält es zumindest nicht für ausgeschlossen, dass individuelle Funktionsstörungen des Atemzentrums, seien sie nun durchblutungs- oder stoffwechselbedingt, künftig durch Reihenuntersuchungen erfasst werden können.
Screenings sind wichtig, um dramatische Krankheitsverläufe und Todesfälle im Säuglingsalter zu reduzieren. Die neuen Erfolge geben außerdem Grund zu der Vermutung: Die Diagnose SIDS wird irgendwann nur noch ganz selten gestellt werden – die endogenen Ursachen werden immer klarer. Erstmal einmal gelten jedoch weiterhin die von den SIDS-ExpertInnen empfohlenen – zumeist völlig kostenlosen –
Präventionen, wie die Schlafposition in Rückenlage.
In dem Sinne ist es geradezu vorbildlich, dass Marc Quinn seinen weißen schlafenden Säugling „Innoscience“ auf den Rücken legte.