Hymne der Hebammen?

  • Lilo Edelmann: „Hebammen stärken auch die Kompetenz im Umgang mit Geschwistern.“

  • Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all ...", singen wir in diesen besinnlichen Wochen vor Weihnachten. Scherzhaft wurde dieses Weihnachtslied mal als „Hymne der Hebammen" bezeichnet.

    Advent – das ist die Zeit der Hoffnung auf eine Ankunft, eine Geburt. Eine Zeit, in der Kinder auch Platz haben in denjenigen Medien, die ansonsten diese Menschengruppe innerhalb ihrer Lifestyle-Geschichten völlig ausblenden. Es scheint im Advent eine heile Welt für Kinder zu geben – im Fernseher laufen rührende Geschichten mit ihnen, Hochglanzmagazine drucken Fotos ach so niedlicher Kinder mit Adventskranz ab, zum 6. Dezember erscheint der Nikolaus persönlich auf dem Weihnachtsmarkt, um die Kleinen zu beglücken.

    Doch wie sieht es hinter dem Adventskalender aus? Deutschland weist europaweit die niedrigste Geburtenrate auf. Kinder zu haben, bedeutet in Deutschland das größte Risiko, in die Armutsfalle zu geraten. Berufstätigkeit der Mütter ist gar nicht so leicht zu realisieren, da immer noch viel zu wenige Betreuungsplätze zur Verfügung stehen. Und schließlich: Jede dritte Ehe wird geschieden, mit steigender Tendenz.

    Es gab noch nie so viele Erziehungsratgeber – und noch nie so viele ratlose Eltern. GrundschullehrerInnen und ErzieherInnen beklagen sich über die Mehrzahl von Einzelkindern in ihren Klassen und Gruppen, da diese eine andere soziale Kompetenz aufweisen als Kinder mit Geschwistern. Auf der anderen Seite haben wir 15 Prozent ungewollt kinderlose Paare, die nahezu alles tun, um ein Kind zu bekommen. Die „Kinderwunsch-Hotline" einer Kinderwunschklinik war kürzlich ein großer Erfolg. Und da bringt die Deutsche Hebammenzeitschrift ein Heft heraus, das sich mit dem Thema „Geschwisterkinder" beschäftigt. Warum?

    Weil Hebammen glücklicherweise auch immer noch Familien mit mehreren Kindern erleben. Weil wir wissen, dass die Akzeptanz eines Geschwisterkindes wesentlich beeinflusst wird durch den Umgang der Eltern mit den Kindern in den ersten Wochen. Weil wir für einen Berufsstand schreiben, der am Beginn des Werdens Familien begleitet und Maßstäbe setzt. Weil wir die Kompetenz und die Verantwortung der Hebammen auch im Umgang mit den Geschwisterkindern sehen.

    Vielleicht können wir sogar die Lust auf Kinder mit diesem oder jenem Beitrag ein wenig kitzeln. Und deshalb ist der Advent genau der richtige Zeitpunkt für dieses Heft. „Ihr Kinderlein kommet ..." – vielleicht doch eine Hymne der Hebammen?

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gemeinsam mit der Redaktion eine angenehme Lektüre und eine schöne Adventszeit.