Lust auf Forschung

  • Birgit Heimbach und Dr. Angelica Ensel: »Die Rolle einer ›Study Midwife‹ könnte zukünftig für Kolleg:innen mit einem Bachelor­abschluss eine attraktive Aufgabe sein.«

  • Eine neue Welt eröffnet sich: Elke Mattern, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaften (DGHWi), geht davon aus, dass durch die Akademisierung künftig immer mehr Hebammen direkt oder indirekt an Forschungsvorhaben zur Hebammentätigkeit beteiligt sein werden. Die Rolle einer »Study Midwife« könnte für Kolleg:innen mit einem Bachelorabschluss eine attraktive Aufgabe sein. Mattern, die gerade selbst promoviert und begeistert wissenschaftlich arbeitet, macht Mut weitere akademische Grade zu erlangen. Die Akademisierung solle auch die Qualifizierung für Masterabschluss und Promotion beinhalten, Professor:innen würden etwa in der Lehre dringend gebraucht. Auf dem letzten DHV-Kongress veranstaltete Elke Mattern mit ihrer Doktormutter Dr. Gertud Ayerle, die den dualen Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft in Halle leitet, einen Forschungsworkshop. Die Teilnehmer:innen betonten abschließend ihre Lust auf Forschung.

    Die Welt der Wissenschaft ist englischsprachig, daher gibt es in diesem Titelthema eine kleine Einführung ins medical and obstetrical English sowie zum Auffinden und Aufbau englischsprachiger Studien. Wir stellen einige Projekte vor, etwa eines an der Universität Oxford. Dort erforscht die Historikerin Prof. Valerie Worth-Stylianou die Geschichte der Geburtshilfe. Sie arbeitet zusammen mit Hebammen, die mit ihrer Expertise Inhalte alter Lehrbücher analysieren – etwa Aussagen zur Geburtsposition – und sie mit dem aktuellen Wissen vergleichen. Worth-Stylianou ermutigt, als Hebamme in die Historie einzutauchen.

    Hilfe für erste Schritte in die wissenschaftliche Arbeit oder Austausch und Vernetzung ermöglicht das »Junge Forum« der DGHWi für alle Interessierten und insbesondere studierende Mitglieder. Dass jede Forschung auch eine Reise ist und immer von der eigenen Biografie, dem jeweiligen Blick auf die Welt, geprägt ist, erzählt uns die Hebamme Dr. Nancy Stone in ihrem englischsprachigen Essay. Sich gemeinsam auf den Weg zu machen, bedeutet nicht nur gegenseitige Inspiration und wechselseitiges Fördern, sondern hilft auch bei den Schwierigkeiten und Stolpersteinen, wenn es darum geht, Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.

    Wie das gelingen kann, zeigen die Hamburger Hebammen Prisca Walter und Eline Wolf. Mit Leidenschaft und Beharrlichkeit ist es ihnen gelungen, die Ergebnisse aus ihrer Bachelorarbeit in die Praxis umzusetzen. Aus ihrem Konzept zur Förderung der physiologischen Latenzphase entstand ein neues Leistungsangebot für die Praxis.

    Diese Perspektiven für den freiberuflichen und klinischen Bereich sind ein wichtiger Schritt für das, was wir alle uns von Herzen wünschen: dass die Physiologie im Mittelpunkt steht und jede Frau eine stärkende Geburtserfahrung machen darf.

     

    Birgit Heimbach und Dr. Angelica Ensel