Isländische Studie

Auswirkungen unglücklicher Beziehungen auf die Geburt

  • Ein frühes Aufdecken von Stress in der Schwangerschaft könnte hilfreiche Angebote bis zur Geburt ermöglichen.

  • Ziel einer isländischen Studie war es herauszufinden, ob das Schmerzempfinden während der Geburt durch Stress in der Schwangerschaft und/oder die Beziehungsqualität zum Partner oder der Partnerin beeinflusst wird.

    2.523 Schwangere wurden dreimal im Verlauf der Schwangerschaft gescreent. Sie beantworteten standadisierte Fragebögen zu den Themen Ängstlichkeit und Depression. Zeigten sich dabei Auffälligkeiten, wurden sie zu Interviews eingeladen. Als Kontrollgruppe diente jede vierte Frau aus der unauffälligen Gruppe. Insgesamt waren 422 Frauen in der Studiengruppe.

    Nach der Geburt wurden die Daten miteinander abgeglichen. Das Augenmerk lag dabei auf dem jeweiligen Schmerzmangement (PDA, Lachgas, pharmakologische und nicht pharmakologische Schmerzbehandlung oder keine Schmerzbehandlung). Zudem wurden geburtshilfliche Interventionen (Einleitung, Episiotomie, Wehentropf) und der Geburtsmodus in die Auswertung mit einbezogen.

    Frauen, die sich gestresst fühlten, akzeptierten demnach häufiger einzig die PDA als Schmerzlinderung. Sie gebaren seltener ohne Schmerzbehandlung.

    Frauen, die mit ihrer Partnerschaft unzufrieden waren, erlebten mehr Interventionen während der Geburt (Geburtseinleitungen, Vakuumextraktionen und Episiotomien), unabhängig davon, ob sie sich gestresst fühlten oder nicht. Es zeigte sich kein Einfluss der sozialen Unterstützung im Umfeld und der erfragten Variablen.

    Ein frühes Aufdecken von Stress in der Schwangerschaft könnte hilfreiche Angebote bis zur Geburt ermöglichen. Für Paare, die in ihrer Beziehung nicht glücklich sind, sollten zusätzliche Beratungsangebote eingerichtet werden, um unnötige Interventionen während der Geburt zu minimieren.

    Quelle: Jonsdottir SS et al.: Pain management and medical interventions during childbirth among perinatal distressed women and women dissatisfied in their partner relationship: A prospective cohort study. Midwifery Journal 2018. https://www.midwiferyjournal.com/article/S0266-6138(18)30314-0/fulltext DHZ

    Rubrik: Geburt