Retrospektive Beobachtungsstudie

Folsäure im Mehl könnte für weniger Psychosen beim Nachwuchs sorgen

  • Seit 1996 wird in den USA Getreide, das als Nahrungsmittel für den Menschen dient, mit Folsäure angereichert, um Neuralrohrdefekte beim Fetus zu verhindern.

  • Ernähren sich werdende Mütter von Getreideprodukten, die mit Folsäure angereichert wurden, hat das einen positiven Einfluss auf die kortikale Entwicklung des Fetus. Die erhöhte Folsäure-Exposition könnte zudem das Risiko für psychiatrische Störungen des Nachwuchses reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine retrospektive Beobachtungsstudie in JAMA Psychiatry.

    ForscherInnen des Massachusetts General Hospital (MGH) hatten die kortikale Dicke mittels Magnetresonanztomografie (MRT) und das psychiatrische Risiko bei fast 300 Jugendlichen im Alter zwischen 8 und 18 Jahren analysiert, die zwischen 1993 und 2001 geboren wurden. Sie wollten prüfen, ob eine erhöhte fetale Folsäureexposition, wie sie die US-Regierung 1996 vorgeschrieben hat, die postnatale Gehirnentwicklung verändert. Zum Vergleich wurden zwei weitere Kohorten mit mehr als 1.000 Jugendlichen untersucht: die Philadelphia Neurodevelopmental Cohort (PNC, Jahrgang 1992–2003) und die National Institutes of Health Magnetic Resonance Imaging Study of Normal Brain Development (NIH, 1983–1995).

    In der MGH-Kohorte korrelierte die Exposition mit Folsäure mit der kortikalen Dicke im Frontal- und Temporallappen. Die altersbedingte Ausdünnung des Temporal- und Parietallappes verzögerte sich. Ähnliche Beobachtungen machten die Forscher in der fast zeitgleichen PNC-Kohorte. Jugendliche in der PNC-Kohorte mit einer verzögerten Ausdünnung in frontalen, temporalen und parietalen Regionen zeigten zudem seltener Psychose-Symptome (Odds Ratio: 0,37–0,59). In der NIH-Kontrollkohorte, die geboren wurden, bevor die Folsäure-Regelung 1997 in Kraft getreten ist, konnten die Forscher in allen Gehirnregionen eine frühere Ausdünnung beobachten.

    Neben der bereits bekannten Risikominimierung für Neuralrohrdefekte, könnte Folsäure daher auch Psychosen vorbeugen, schlussfolgern die US-Forscher. Weltweit haben sich bereits 81 Länder dazu entschlossen, Getreideprodukte mit Folsäure anzureichern. Deutschland ist nicht dabei. Im Gegensatz zum Scientfic Advisory Committee on Nutrition rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von einer flächendeckenden Mehlanreicherung ab.

    Quelle: Eryilmaz H et al.: Association of Prenatal Exposure to Population-Wide Folic Acid Fortification With Altered Cerebral Cortex Maturation in Youths. JAMA Psychiatry 2018. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2018.1381 aerzteblatt.de 4. Juli 2018 DHZ