US-amerikanische Studie

Liegt Frühgeburtlichkeit in den Genen?

  • Eine ForscherInnengruppe aus den USA hat einen Zusammenhang zwischen sechs verstärkt exprimierten Genorten und der Neigung zu Frühgeburten gefunden.

  • Etwa 10 % aller Kinder werden vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren. In sogenannten Entwicklungsländern sind Frühgeburten für einen erheblichen Anteil an der Säuglingssterblichkeit verantwortlich. Eine ForscherInnengruppe um Ge Zhang und Louis Muglia vom Cincinnati Children`s Hospital in Ohio, USA, haben nun einen Zusammenhang zwischen sechs verstärkt exprimierten Genorten und Frühgeburten gefunden.

    Für die Studie werteten die ForscherInnen die Daten von 43.568 US-amerikanischen Erstgebärenden mit überwiegend europäischer Abstammung aus. 86,8 % trugen eine Schwangerschaft von 37 bis 42 Wochen und 7,6 % (3.331) Frauen eine Schwangerschaft von unter 37 Wochen aus.

    In der Untersuchung der genetischen Daten dieser Schwangeren und ihrer klinischen Verlaufsdaten konnten sechs Genorte gefunden werden, die für die Frühgeburtsbestrebungen verantwortlich scheinen. Diese Daten bestätigten die Ergebnisse vorausgegangener Studien aus Skandinavien mit wesentlich kleinerem Umfang, die noch zu keinen statistisch signifikanten Ergebnissen geführt hatten.

    Die Identifikation der Genorte erlaubt jetzt noch keine neuen Therapieansätze, stellt aber die Grundlage dafür dar. Der Geburtshelfer Prof. Dr. Bernhard Hackelöer wird zitiert: „Ein wichtiger Effekt dieser Arbeit sollte ein Umdenken im Bereich der Prävention und Behandlung der Frühgeburt sein, die in der Mehrzahl in Deutschland noch nach mechanistischen (Cerclage) und medikamentösen Ansätzen (Tokolyse) erfolgt. Denn erst wenn wir in der Lage sein werden, die unterschiedlichen Gründe einer drohenden Fehlgeburt – etwa durch eine Genanalyse – individuell zu diagnostizieren und zu behandeln, werden wir einen Gesamteffekt auf die Rate der Frühgeburten erwarten können".

    Quelle: Sartorius J: Studie stellt gängige Präventions- und Therapieansätze in Frage: Ist Frühgeburtlichkeit vor allem eine Frage der Gene? Medscape 2017. 22.9./DHZ