Wehentropf und Beckenbodenkontraktilität

Mehr Geburtsverletzungen durch Oxytocin?

  • Ein Wehentropf erhöht die Muskelspannung im Beckenboden. Das könnte zu mehr Geburtsverletzungen führen.

  • Bei jeder Wehe spannt und entspannt sich auch der Beckenboden und formt den Geburtsweg für das Kind. Verstärkt sich dieser evolutionär entwickelte und biologisch sinnvolle Effekt, wenn Frauen während der Geburt eine Oxytocin-Infusion erhalten?

    Für eine Studie wurden Gebärende am Termin einer Gruppe mit Oxytocin-Infusion oder einer Kontrollgruppe ohne diese Intervention zugeordnet. Die Bewegungen des Beckenbodens wurden mit Hilfe von Elektromyografie aufgezeichnet und der Beginn und das Ende jeder Wehe wurden parallel zu den Beckenbodenkontraktionen aufgezeichnet. Kontraktilität wurde ausgerechnet aus der Häufigkeit der Kontraktionen des Beckenbodens im Verhältnis zur Häufigkeit der Wehen multipliziert mit 100, ausgedrückt in Prozent.

    Es zeigte sich ein hochsignifikanter Unterschied zwischen den beiden Gruppen (p < 0,01). Der Beckenboden kontrahierte sich unter Wehen in beiden Gruppen häufiger als ohne Wehen, sowohl bei Erst- als auch bei Mehrgebärenden. Allerdings straffte er sich in der Gruppe mit der Oxytocin-Infusion deutlich häufiger (56,1 % vs. 18,1%). Auch die Anzahl der Episiotomien lag in der Oxytocin-Gruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe (p < 0,01).

    Währen der physiologischen uterinen Kontraktion konnte beobachtet werden, dass der Beckenboden sich häufiger still verhält als unter oxytocin-induzierten Wehen. Da kontrahierte BB-Muskeln aber einen Gegendruck zu dem uterinen „Austreibungsdruck“ darstellen, steigt das Risiko für Verletzungen des Beckenbodens. Die physiologische Funktion des Beckenbodens hängt von koordinierten Aktionen ab, die durch das somatische und das vegetative Nervensystem gesteuert werden. Die erhöhte Schmerzwahrnehmung der Wehen unter Oxytocin, aber auch die erhöhte Kontraktionsfrequenz des Uterus innerhalb der Wehe könnten zu einer verstärkten Kontraktion des Beckenbodens führen.

    Da dieses nun die erste Studie ist, die dieses Verhalten des Beckenbodens während der Wehen aufzeichnete, bedarf es weiterer Studien, um einen Zusammenhang von Oxytocin-Infusion und Geburtsverletzungen nachzuweisen. Ein restriktiver Umgang mit dem Wehentropf könnte möglicherweise zu weniger Geburtsverletzungen beitragen.

    Quelle: Karahan N, Arslan H, Cam C: The behaviour of pelvic floor muscles during uterine contractions in spontaneous and oxytocin-induced labour. J Obstet Gynaecol 2018. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29430972 12:1-6. DHZ

    Rubrik: Geburt