Zwillingsforschung

Mehr gleichgeschlechtliche als nicht-gleichgeschlechtliche dizygote Zwillinge?

  • Eine Studie in Großbritannien und USA zeigt, dass es dort häufiger zweieiige Zwillinge gleichen Geschlechts gibt als Zwillingspaare aus einem Mädchen und einem Jungen.

  • Zweieiige Zwillinge sind sich genetisch so ähnlich wie Geschwister, die nacheinander ausgetragen werden. Dennoch kann beobachtet werden, dass mehr gleichgeschlechtliche zweieiige Zwillingspaare geboren werden. Erwarten würde man nach einer biologischen Erbregel von Hardy Weinberg aber nur etwa 50 %.

    ZwillingsforscherInnen aus Großbritannien haben dort seit 1958 17.419 Paare und aus den USA seit 1994 20.745 Paare bis heute untersucht.

    In Großbritannien waren 60,4 % gleichgeschlechtlich und in den USA 57,4 %. Der Unterschied war statistisch hochsignifikant (P < 0,001).

    Zunächst wurden nur die Mütter nach Eineiigkeit oder Zweieiigkeit befragt, das wäre eine Erklärung für fälschliche Fehleinschätzungen. Allerdings ließ sich nach der genetischen Analyse, diese Fehlerquelle ausschließen.

    Die Überlegungen für die Gründe sind vielfältig. Es ist bekannt, dass Menschen und andere Säugetiere ihre Muttermilch auf das Geschlecht des Kindes hin abstimmen. Das würde im Falle gemischtgeschlechtlicher Paare zu einem Konflikt führen. Auch wenn das Geschlecht des Kindes vom Zeitpunkt der Empfängnis innerhalb des Zyklus abhängen würde, könnte es als Erklärung dienen, dass eben nur Jungen oder nur Mädchen geboren werden.

    Die AutorInnen haben keine Erklärung, warum sie im angelsächsischen Raum einen deutlichen Häufigkeitsunterschied zwischen gleichgeschlechtlichen zweieiigen Zwillingen und Zwillingspärchen fanden, während ältere skandinavische Studien dies nicht nachweisen konnten.

    Quelle: Kanazawa S, Segal NL, de Menza D: Why are There More Same-Sex Than Opposite-Sex Dizygotic Twins? Hum Reprod 2018. 33(5):930-934. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29534175 DHZ