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Nachtblind in der Schwangerschaft durch Vitamin A-Mangel?

Der jüngste Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass die weltweite Prävalenz von Nachtblindheit in der Schwangerschaft in Bevölkerungsgruppen, die von Vitamin-A-Mangel bedroht sind, bei 7,8 % liegt. Das sind weltweit schätzungsweise 9,75 Millionen schwangere Frauen. Als besorgniserregend für die allgemeine Gesundheit gelten Prävalenzraten von 5 % und mehr.

Vitamin-A-Mangel und Anämie werden als wichtige Vorhersagekriterien für schlechte mütterliche und kindliche Outcomes angesehen, wie Wachstums- und Entwicklungsstörungen in utero, Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht, Infektionskrankheiten, erhöhte maternale und neonatale Mortalität. Vitamin-A-Mangel ist der weltweit häufigste Vitaminmangel. Er tritt besonders oft in Entwicklungsländern auf. Gemessen wird der Vitamin-A-Gehalt im Blutplasma.

Im Rahmen der MINA-Brazil-Study (Maternal and Child Health in Acre, Amazonasgebiet Brasilien) wurden Daten für eine Studie dazu erhoben. Es gab 1.525 postpartale Interviews mit Müttern bis 12 Stunden nach der Geburt, die folgende Fragen zur Sehfähigkeit enthielten:

  1. Hast du Schwierigkeiten, tagsüber zu sehen?
  2. Hast du Schwierigkeiten beim Sehen bei dämmrigem Licht oder in der Nacht?
  3. Bist du nachtblind?

Alarmierenderweise gaben 11,5 % der Frauen eine Nachtblindheit an. Faktoren, die damit assoziiert waren, sind: Fünf Haushaltsmitglieder und mehr (adjusted prevalence ratios/aPR 2,06), Rauchen während der Schwangerschaft (aPR 1,78) und weniger als sechs Vorsorgeuntersuchungen (aPR 1,61). 40 % der Frauen mit Nachtblindheit zeigten auch Zeichen einer Anämie (< 11g/dl).

Der Vitamin-A-Mangel könnte über Nahrungsergänzungsmittel gelindert werden.

Die hohen Raten von Nachtblindheit und Anämie bei diesen Frauen deuten auf eine unzureichende Versorgung während der Schwangerschaft hin. Die Beratung bezüglich der Ernährung in der Schwangerschaft muss diesbezüglich überdacht werden. In Europa tritt Vitamin-A-Mangel nur sehr selten auf.

Quelle: Neves PAR, Lourenço BH, Pincelli A, Malta MB, Souza RM, Ferreira MU et al.: High prevalence of gestational night blindness and maternal anemia in a population-based survey of Brazilian Amazonian postpartum women. PLoS ONE 2019. 14(7): e0219203. https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0219203 DHZ

Rubrik: Schwangerschaft

Erscheinungsdatum: 03.09.2019