Präeklampsie-Prävention

Priming in längerer Partnerschaft

Präeklampsie kommt nicht allein bei Menschen vor. Auch bei neun Primaten wurden vereinzelt schon präeklamptische Symptome beobachtet, zum Beispiel bei den Husarenaffen (Palmer 1979). Wie bei menschlichen Müttern erkrankten auch bei ihnen vor allem Erstgebärende.

Das paternale Eiweiß im Embryo und in der Plazenta stellt eine Herausforderung für das maternale Immunsystem dar. Da Präeklampsie bei Erstgebärenden mehr als doppelt so oft vorkommt wie bei Mehrgebärenden, scheint es also eine Anpassung des Immunsystems an das Eiweiß des Partners zu geben.

Diese Idee wird durch eine Studie von Pierre-Yves Robillard gestützt, der 1994 mehr als 1.000 Schwangere in Guadelupe untersuchte. Er stellte dabei fest, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Präeklampsie mit der Dauer der sexuellen Beziehung zum Partner immer weiter abnahm. Das Hypertonierisiko nahm von 40 % bei einer bis zu viermonatigen sexuellen Beziehung auf weniger als 5 % ab, wenn die Beziehung mindestens zwölf Monate dauerte, bevor die Schwangerschaft entstand.

2002 untersuchten Rolv Skjærven und seine KollegInnen in Norwegen das Risiko für Präeklampsie im Zusammenhang mit der Pause zwischen zwei Geburten. In 1,5 Millionen Datensätzen des Geburtenregisters erlitten 4 % der Erstegbärenden eine Präeeklampsie und 2 % der Mehrgebärenden, vor allem jene mit großen Geburtenabständen. Das könnte ein Hinweis auf eine neue Partnerbeziehung sein. Aber die Präeklampsie häufte sich auch zu bei großen Geburtenabständen ohne neuen Partner. Eine lange Zeit zwischen den Geburten könnte auch ein Hinweis auf eine geringe Koitusfrequenz sein, die dann wieder zu einer schlechteren Adaptation des Immunsystems an die paternalen Eiweiße führt.

Die WissenschaftlerInnen vermuten, dass das sogenannte sexuelle Priming ein Schlüsselfaktor bei der Entstehung der Präeklampsie sein könnte. Dieses Priming fehlt bei künstlichen Schwangerschaften aus Samen- und Eizellspenden sowie bei Leihmutterschaften und führt zu den bekannten Problemen. Auch bei Paaren, die mit mechanische Barrieren wie Kondom oder Pessare verhüten, fand dieses Priming offenbar nicht ausreichend statt, wenn sie nach Absetzen innerhalb von vier Monaten schwanger wurden. Sie erkrankten mehr als doppelt so häufig an einer Präeklampsie wie Frauen, die mehr als zwölf Monate ohne Verhütung bis zur Empfängnis brauchten(Klonoff-Cohen 1989).

Diese Studien belegen, dass es biolgisch sinnvoll sein könnte, wenn künftige Eltern bereits eine längere sexuelle Beziehung ohne Barriereverhütung führen, bevor es zur Konzeption kommt. Dadurch sinkt die Gefahr, dass das mütterliche Immunsystem negativ auf die Implantation eines Embryos reagiert. Diese körperliche Reaktion wirft ein neues Licht auf die Länge einer Beziehungsanbahnung und die starke Paarbindung beim Menschen im Vergleich zu anderen Säugetieren.

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Quellen:

Martin RA: Biological Function for Oral Sex? Sexual priming by a male partner lowers risk of high blood pressure in pregnancy. Psycholgy Today 2016. 2

Klonoff-Cohen HS, Savitz DA, Cefalo RC, McCann MF: An epidemiologic study of contraception and preeclampsia. Journal of the American Medical Association 1989. 262: 3143–3147

Palmer AE, London WT, Sly DL, Rice JM: Spontaneous preeclamptic toxemia of pregnancy in the patas monkey (Erythrocebus patas). Laboratory Animal Science 1979. 29: 102–106

Robillard P-Y, Hulsey TC, Perianin J, Janky E, Miri EH, Papiernik E: Association of pregnancy-induced hypertension with duration of sexual cohabitation before conception. Lancet 1994. 344: 973–975

Skjaerven R, Wilcox AJ, Lie RT: The interval between pregnancies and the risk of preeclampsia. New England Journal of Medicine 2002. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11778000. 346:33–38