Evangelische Hochschule Berlin

Studiengang Hebammenkunde gewinnt Hochschulpreis

  • Die Gewinnerin des diesjährigen "Gräfin von der Schulenburg-Preis", Kerstin Müller, mit ihrer Betreuerin, Prof. Dr. Julia Leinweber, Studiengang Hebammenkunde (rechts), und Jurorin Dipl. Psych. Simone Kirchner (links)

  • Kerstin Müller, B. Sc., des dualen Studiengangs Hebammenkunde, gewinnt den diesjährigen mit 800 Euro dotierten „Gräfin von der Schulenburg-Preis“ der Evangelischen Hochschule Berlin (EHB) für die Präsentation ihrer Forschungsarbeit „Outcome bei Terminüberschreitung bei physiologischer Schwangerschaft – Abwartendes Verhalten im Vergleich zur Geburtseinleitung.“

    In ihrer Forschungsarbeit untersuchte Kerstin Müller die gängige Praxis der Geburtseinleitung unter Berücksichtigung von mütterlichem und kindlichem Outcome. Sie stellte die Frage, ob die medizinisch indizierte Geburtseinleitung ab der 41. Schwangerschaftswoche wirklich routinemäßig erfolgen muss und tatsächlich dem abwartenden Verhalten vorzuziehen ist. In ihrem Vortrag fokussierte sie dabei auf zwei von insgesamt neun Parameter: die Mortalitätsrate des Kindes und das subjektive Empfinden der Mutter. In beiden Fällen konnte sie in ihrer empirischen Arbeit keinen wirklichen Vorteil zugunsten der Geburtseinleitung analysieren. So konnte die Todesursache der Kinder häufig nicht einzig auf die Terminüberschreitung in der Schwangerschaft zurückgeführt werden, da andere, vorher nicht bekannte Fehlbildungen oder Komplikationen bei der Geburt dazukamen.

    Dabei verwies die Autorin auf nicht aktuelle Sekundärdaten zu diesem Thema sowie fragliche risikoarme Studienpopularität. Statistisch hat sich die Zahl der Geburtseinleitungen in den letzten 20 Jahren zwar verdoppelt, die Mortalitätsrate der Kinder blieb aber gleich. Zudem fühlten sich die werdenden Mütter in ihrem subjektiven Erleben bei einer Terminüberschreitung vom Fachpersonal oft verunsichert. Hier sei eine Weiterentwicklung der frauenorientierten Betreuung angezeigt. Im Fazit bestehe daher weiterhin ein großer Bedarf in aktueller qualitativer und quantitativer Forschung. Dabei kommt der Etablierung von Forschung durch HebammenwissenschaftlerInnen eine besondere Bedeutung zu.

    „Optimale Fürsorge für Mutter und Kind sind das Ziel aller Hebammenarbeit“, schloss Prof. Dr. Julia Leinweber in ihrer Laudatio. „Herauszufinden, wie wir dieses Ziel erreichen, ist die Aufgabe der Hebammenwissenschaft. Ihre Arbeit leistet hierzu einen soliden Beitrag.“

    Bereits zum zwölften Mal verleiht die Evangelische Hochschule Berlin den „Gräfin von der Schulenburg-Preis“ für die beste Präsentation einer Bachelorarbeit des Jahrgangs. AbsolventInnen aus den sechs BA-Studiengängen der Hochschule stellen Jury und Publikum ihre Arbeiten vor.

    Quelle: EHB, 22.11.2018