Interview mit Sonja Messer

Doula: Stütze oder Konkurrenz?

Schwerpunkt der Arbeit einer Doula ist der emotionale Beistand für die Gebärende. Können Hebammen und Doulas harmonisch zusammenarbeiten, sich sogar ergänzen und entlasten? Oder bedroht die Berufsgruppe den Stand und das originäre Aufgabenfeld der Hebammen? Ein Gespräch. Prof. Dr. Christiane Schwarz | Britta Zickfeldt
  • Sonja Messer, Hausgeburtshebamme, die im Team mit einer Doula Geburten begleitet: »Sie ist wie eine Mutter oder eine Schwester, die einfach nur da ist. Und dieses Nur-da-Sein, haben wir vielleicht ein bisschen verlernt. «

Christiane Schwarz:
Vielen Dank für Ihre Bereitschaft, über die Zusammenarbeit mit Doulas zu sprechen. Das ist ja ungewöhnlich in Deutschland. Vielleicht stellen Sie sich in Ihrem Arbeitszusammenhang erstmal vor.

Sonja Messer:
Ich bin seit 30 Jahren Hebamme, seit elf Jahren in der Geburtshilfe. Ich habe neun Jahre davon mit einer Kollegin zusammengearbeitet, immer im Zweier-Team. Wir haben uns abgewechselt, wer Erst- und Zweithebamme ist. Zwischendurch gab es mal eine Pause, weil meine Kollegin in der Zeit nicht als Hausgeburtshebamme arbeiten konnte. Da war ich alleine und habe gemerkt, dass das nicht mein Ding ist.

Mir kam die Idee, dass ich eine Person suchen muss, die gut mit mir zusammenarbeiten kann. Aber Hebammen, die nicht für Hausgeburten versichert sind, können mich dabei eben nicht unterstützen. Ich brauchte also entweder eine versicherte Hebamme oder jemanden, der bereit ist, das mit mir ohne Versicherung zu machen.

Über eine Kollegin lernte ich eine Doula kennen, die als Einstieg in unser Team bei einer Geburt dabei war. Das war schön und wir waren dann ja sogar zu dritt. Die Frau fand es toll, noch jemanden dabei zu haben. Sie musste sich übergeben, da kam die Doula mit dem Waschlappen und hat fix mitgeholfen.

Irgendwann war klar, meine Kollegin hört auf. Und ich brauche Unterstützung. Ich merkte, dass es gut ist, eine feste Person zu haben. Durch die vielen gemeinsamen Jahre mit meiner Kollegin wussten wir immer, wie wir ticken und wer was macht. Wir konnten uns zuarbeiten.

Jetzt mit den Doulas ist das natürlich anders, sie arbeiten mir nicht zwangsläufig zu. Sie machen etwas anderes und ich bin für mich verantwortlich. Es ist ein anderes Arbeiten. Aber es ist auch anders, als Hebamme allein zu arbeiten.

 

Christiane Schwarz:
Was genau macht eine Doula, wenn sie zur Geburt kommt?

Sonja Messer:
Das ist sehr unterschiedlich. Aber das machen wir vorher miteinander aus. Mit jeder Person, die bei der Geburt dabei ist, kann ich das ja vorher besprechen. Wir sitzen mit der Mutter und dem Vater zusammen und besprechen, was wir voneinander erwarten. In der Klinik sind die Doulas eher dazu da, die Frauen ein bisschen abzuschirmen oder zu bewahren. Oder sie zu unterstützen in ihrem eigenen Prozess. Und sie etwas herauszuhalten aus dem Klinischen. Also: Sie haben dort die Rolle der Beschützerin. Und das brauchen sie bei mir ja nicht. Weil sie davon ausgehen, dass das, was die Frau von mir oder für die Geburt braucht, nichts Invasives ist. Und so kann sie sich komplett darauf konzentrieren, beispielweise mal einen Tee oder Kaffee zu kochen oder das Badewasser einzulassen.

Aber die Doula, mit der ich jetzt schon ein paarmal zu tun hatte, äußert schon, dass sie mir gerne zuarbeitet. Sie kennt sich auch in meiner Tasche aus. Und weiß beispielsweise, wann ich ein Paar Handschuhe brauche.

 

Christiane Schwarz:
Wie nah ist die Doula an der Frau? Unser ureigenstes Arbeitsfeld als Hebamme ist ja die Beziehungsebene mit der Frau. Wir sind ganz nah bei ihr. Wir berühren sie körperlich. Wir sprechen mit ihr, haben Blickkontakt, die Hand vielleicht am Bauch. Wo ist die Doula in diesem Beziehungsgeflecht?

Sonja Messer:
Das habe ich tatsächlich sehr unterschiedlich erlebt. Und ich habe kein Problem damit, wenn die Frau ein inniges Verhältnis zu ihrer Freundin oder zu ihrer Doula hat. Solange ich mit der Frau gut kommunizieren kann, ist das überhaupt kein Thema.

Die Doula darf nichts Medizinisches tun. Sie darf die Frau eigentlich nicht einmal groß anfassen. Sie kann natürlich mal einen Lappen reichen. Ich begleite und überwache die Frau. Und ich habe diesen medizinischen Background. Natürlich bin ich auch da, zu schauen, was sie jetzt braucht. Ich coache sie, und wenn ich merke, es tut ihr gut, was die Doula jetzt mit ihr macht, dann ist es das, was die Frau gerade braucht. Und dann braucht sie mich gerade nicht mehr. Das finde ich völlig in Ordnung.

 

Britta Zickfeldt:
Und wie finden Doula und Frau zusammen? Ist es eher so, dass die Frau die Doula mitbringt, oder bringen Sie diese Idee im Vorgespräch mit ein?

Sonja Messer:
Ich habe verschiedene Doulas an der Hand. Ich fahre als Hebamme relativ weit und die Doulas decken verschiedene Gebiete ab. Ich schaue dann, wo die Frauen wohnen. Denn es kann auch mal sein, dass die Doula zuerst hinfährt. Bei den geplanten Klinikgeburten ist es so, dass die Doula zuerst zur Frau kommt und dann zusammen entschieden wird, wann sie in die Klinik fahren. Bei einer Verlegung bin ich dann zeitgleich oder vielleicht auch zuerst da. Es kommt auch vor, dass die Doula zuerst da ist. Deshalb schaue ich, wie es vom Fahrtweg her passt.

 

Britta Zickfeldt:
Das ist spannend, denn der Grund, eine Doula hinzuzuziehen, ist eigentlich der Hebammenmangel. Sie haben keine Kolleginnen, mit denen Sie die Hausgeburten gemeinsam betreuen können, und zeigen da eine große Offenheit in der Überlegung, was Sie als Hebamme in dieser Situation brauchen. Es geht nicht darum, Verantwortung zu teilen, denn die liegt bei Ihnen.

Sonja Messer:
Ja, die Verantwortung habe natürlich ich.

 

Christiane Schwarz:
Ich konstruiere mal ein Beispiel: Eine Frau ist in der Latenzphase. Es schmerzt ein bisschen, aber es ist nicht so schlimm. Als Hebamme denken Sie, es dauert noch. Sie wollen jetzt noch nicht hinfahren, aber eigentlich hätte die Frau doch gerne jemanden bei sich. Wäre das eine Situation, in der Sie sagen würden: Da schicke ich jetzt mal die Doula hin?

Sonja Messer:
Ja, auf jeden Fall. Die Latenzphase kann sehr gut von der Doula betreut werden. Das entscheidet natürlich die Frau. Wenn die Frau sie oder der Vater mich anruft, dann entscheiden wir zusammen: Wer ist jetzt zuständig oder was ist jetzt nötig? Was braucht sie jetzt?

 

Christiane Schwarz:
Wenn Sie sich das berufspolitisch anschauen, haben Sie dann Sorge, dass die Doulas uns Hebammen etwas wegnehmen? Wenn wir auf die Latenzphase schauen, ist es momentan so, dass wir Hebammen dafür zuständig sind. Wir fahren vielleicht hin, vielleicht auch nicht. Aber wir sind die Herrinnen dieses Geschehens. Wirkt es dann nicht so, als hätte die Hebamme noch keine Lust, aber die Doula ist für die Frau da – ist es nicht so, dass wir da etwas verlieren?

Sonja Messer:
Es könnte schon sein, dass da eine gewisse Gefahr besteht. Ich sehe es aber nicht so, wenn ich mich als Coach betrachte. Und als diejenige, die das managt. Ich gucke in erster Linie, was die Frau braucht. Ich bin Hausgeburtshebamme und es ist das Tollste, wenn die Geburt zu Hause gelingt. Aber das ist nicht mein vorderstes Bestreben. Wichtig ist zu sehen, was die Frau braucht.

Wenn es am Ende eine Begleitung durch die Doula war und ich bin im Hintergrund, dann ist mir das auch recht.

 

Christiane Schwarz:
Ist es vielleicht das, was wir mit frauenzentrierter Betreuung meinen? Zu schauen, was die Frau braucht, und nicht, was die Hebamme braucht?

Sonja Messer:
Ich würde sogar noch weiter gehen – in der Nachbetreuung würde ich es gut finden, wenn man eine ähnliche Vision verfolgt: ob man nicht wieder Wochenpflegerinnen mit einbeziehen könnte. Gerade wenn die Geburt und die Schwangerschaft unkompliziert waren. Ich denke, wenn eine Hebamme nach der Geburt ein paar Mal kommt, wenn sie gebraucht wird, und dann eine Pflegerin das Pflegerische übernimmt. Ich denke, wir könnten da Ressourcen sparen und die Hebamme dort einsetzen, wo sie gebraucht wird.

Ich finde es wichtig, dass mehr Hebammen in die Geburtshilfe gehen und der Fokus wieder dort liegt. Und nicht das ganze Rundherum mit den Kursen. Ich strebe wirklich eine ganzheitliche Betreuung an. Ich bin von Anfang an dabei, die Frauen melden sich mit positivem Test bei mir. Und ich coache sie, bis das Kind abgestillt wird. Zwischendrin kann da mitmischen, wer auch immer gebraucht wird. Das ist mir egal.

 

Christiane Schwarz:
Es gibt bestimmt Kolleginnen, die aus berufspolitischen Gründen oder aus ihrer Vorstellung von der eigenen Professionalität sagen würden: Die Hebamme schafft sich ab. Das ist eine Bankrotterklärung an unser System. Wir kämpfen dafür, dass wir so lange ins Wochenbett gehen dürfen, wie es nur geht. Wir wollen 16 bis 18 Besuche bezahlt bekommen, nach Indikation noch länger – und jetzt sagen Sie einfach, ein paar Besuche würden vielleicht genügen. Ist das wirklich gut für die Frauen oder würden wir nun reihenweise Frauen haben mit Sepsis, Mastitis, allen möglichen Problemen?

Zur Frage der Konkurrenz gab es vor mehreren Jahren eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit in der Cochrane Datenbank. Da kam heraus, dass die optimalen Ergebnisse bei Geburten erzielt wurden, in denen eine Doula involviert war. Nicht ärztliche Geburtshelfer:innen, auch nicht Hebammen, sondern eine Doula. Die Frauen hatten die besten Geburtserfahrungen und die niedrigste Kaiserschnittrate. Das war eine sehr schmerzliche Erkenntnis und hat für viel Unruhe gesorgt.

Was heißt das jetzt für uns Hebammen: Sollen wir alle so arbeiten wie Sie? Sollen wir wie Doulas arbeiten? Oder ist es vielmehr so, dass wir etwas von den Doulas lernen können?

Sonja Messer:
Die Doulas haben einen unverstellten Blick auf die Frauen. Sie haben diesen medizinischen Hintergrund nicht, sondern sehen einfach: Da habe ich die Frau und der geht es nicht so gut, weil sie Schmerzen hat. Die Doula denkt nicht, sie müsste jetzt diese oder jene Untersuchung machen. Sondern sie schaut einfach nur: Was braucht die Frau jetzt? Braucht sie ein beruhigendes Wort oder muss sie mal gestreichelt werden? Ich denke immer, dieses »Medizinisch-versaut-Sein«, ich nenne es jetzt mal so ganz krass, das haben sie einfach nicht. Die Doula ist wie eine Mutter oder eine Schwester, die einfach nur da ist. Und dieses Nur-da-Sein, haben wir vielleicht ein bisschen verlernt. Als Hebamme versuche ich natürlich auch da zu sein, aber wenn ich im Hintergrund darüber nachdenke, dass ich das jetzt sofort alles aufschreiben muss, zum Beispiel was sie jetzt äußert, dann bin ich in dem Moment nicht bei der Frau. Da bin ich schon in meiner Dokumentation oder in meiner Überlegung: »In zwei Stunden müssten wir das und das machen … .« Das alles hat die Doula nicht. Das braucht sie ja nicht und sie darf es auch nicht. Und deswegen finde ich es gut, so ein Nebeneinander zu haben.

 

Britta Zickfeldt:
Was macht denn die Doula so besonders? Wenn ich Ihnen jetzt zuhöre, dann denke ich, es könnte ja auch eine Freundin oder die Mutter sein.

Sonja Messer:
Na klar.


Britta Zickfeldt:
Aber die Doula würde natürlich jetzt sagen, dass sie nicht nur Mutter oder Freundin ist, denn sie hat ja eine Ausbildung.

Sonja Messer:
Doula ist kein geschützter Begriff. Wenn überhaupt, sind sie in Vereinen organisiert. Sie haben darüber eine Gruppenversicherung und müssen, damit sie über die Vereine gefunden werden können, bestimmte Kurse besucht haben. Der Verein legt selbst fest, welche Qualifizierungen die Mitgliedsfrauen brauchen. Sie müssen bei mehreren Geburten und beispielsweise bei der Geburtsvorbereitung hospitiert haben. Sie haben also schon eine gewisse Erfahrung mit dem Thema Geburt oder Schwangerschaft und auch darüber hinaus. Das ist gut zu wissen, denn es nützt mir auch nichts, wenn ich eine Freundin dabeihabe und dann stellt sich heraus, dass sie kein Blut sehen kann.

 

Britta Zickfeldt:
Sie schätzten also auch die Kompetenz der Doula als Fachfrau?

Sonja Messer:
Ja, genau.

 

Christiane Schwarz:
Wie ist es bei der Doula mit der Bezahlung?

Sonja Messer:
Die Frauen oder Paare müssen sie privat bezahlen. Wenn ich anordne, dass ich eine Doula dabeihaben möchte und die Frau sie dafür bezahlen muss, dann ist es so, ich lege das fest. Ich habe für mich entschieden, dass ich eine zweite Person dabeihaben möchte. Die Doulas nehmen unterschiedlich viel Geld. Das legen sie selbst fest und machen einen Vertrag mit der Frau. Ich kann den Frauen das auch nahebringen, denn sie sparen ja die Rufbereitschaft für die zweite Hebamme. Früher habe ich immer mit der Zweithebamme zusammengearbeitet und stattdessen bezahlen sie jetzt die Doula. Das ist ein bisschen mehr – ich sage mal 150 oder 200 Euro. Aber es ist auch so, dass die Doulas mit in die Klinik gehen können. Und das sage ich den Frauen: »Im Falle einer Verlegung hast du die Vertrauensperson mit dabei. Ich übergebe dich nur und vergewissere mich, dass du dort in guten Händen bist. Das Weitere ist dann die Sache der Kolleg:innen und die Doula bleibt bei dir.«

 

Christiane Schwarz:
Das ist praktisch. Dadurch, dass die Doula keine Verantwortung hat, geht sie bei der Klinikhebamme nicht in Konkurrenz.

Britta Zickfeldt:
Und wie erleben die Frauen das? Ist es tatsächlich so, dass die Hebammen in der Klinik die Doula gut akzeptieren, oder wie sind da Ihre Erfahrungen?

Sonja Messer:
Ich betreue ja ausschließlich Hausgeburtsfrauen und ich habe nur gehört, dass sie schon auch die Augen rollen und dass es nicht so gut ankommt bei den Kolleg:innen in der Klinik. Ich sage den Frauen auch, dass es so sein kann. Wenn sie sich dann in der Klinik anmeldet, rege ich die Frau dazu an, zu fragen, wie sie das dort sehen mit Doulas.

Für die Doulas ist es sicher auch spannend, den Unterschied zwischen Hausgeburt und Klinik zu sehen. Eigentlich wollen sie nicht mit in die Klinik. Aber im Grunde ist es wichtiger für die Frauen, wenn sie die Doulas in der Klinik dabeihaben.

Das ist jetzt wieder politisch: Im Grunde ist es ja so, dass wir zu wenige Kolleg:innen in den Kliniken haben. Sie haben nicht mehr die Zeit, einfach dabeizusitzen und ein gutes Wort zu geben. Und das sehen auch die Kolleg:innen. Sie haben diesen Konflikt, eigentlich gerne für die Frau da zu sein, aber trotzdem drei oder vier Frauen gleichzeitig betreuen zu müssen. Und jetzt sitzen da die Doulas und machen genau das, was die Hebammen eigentlich gerne möchten.

 

Christiane Schwarz:
Wenn Sie genug Hebammen in Ihrem Team hätten, würden Sie dann trotzdem noch mit Doulas arbeiten wollen?

Sonja Messer:
Das ist eine schwierige Frage. Ich habe sehr gerne mit einer Hebamme zusammengearbeitet und es ist natürlich auch schön, sich mit jemandem auf gleicher Ebene auszutauschen. Wenn wir vor einer Frage oder Entscheidung stehen wie, »Jetzt müssten wir eigentlich etwas tun …«, diesen Austausch habe ich mit einer Doula nicht. Es ist eine komplett andere Arbeit. Aber grundsätzlich würde ich überlegen, mit Doulas weiterzuarbeiten, weil zwei Hebammen ja doppelt so viele Frauen betreuen könnten. Und das finde ich auch erstrebenswert: so viele Frauen wie möglich gut zu betreuen. Die Chance haben wir mit den Doulas. Ich habe für dieses Jahr 150 Frauen absagen müssen, die mit mir eine Hausgeburt machen wollten, aber ich konnte es aus Kapazitätsgründen nicht.

 

Britta Zickfeldt:
Wie machen Sie das, wenn Sie mit einer zweiten Hebamme zusammenarbeiten? Ist sie von Anfang an bei der Geburt dabei?

Sonja Messer:
Wenn ich sie brauche.


Britta Zickfeldt:
Also es könnte auch sein, dass Sie die Geburt alleine betreuen?

Sonja Messer:
Es ist schon vorgesehen, dass die zweite Hebamme zur Geburt dazukommt. Das ist eine Abrechnungsfrage: Die zweite Hebamme darf vier Stunden dabei sein. Es kann sein, dass ich sie dazu rufe, weil ich einfach nicht mehr weiter weiß. Oder wenn es dauert: Mit einer Hebamme kann ich mich abwechseln. Wenn ich die ganz Nacht dabei war und ich kann schon nicht mehr gerade gucken, dann kann sie übernehmen. Das habe ich mit einer Doula natürlich nicht. Also beides hat Vor- und Nachteile.

 

Christiane Schwarz:
Ihre Erfahrungen mit den Doulas sind also gut. Was sind die Rückmeldungen von den Frauen, denn die haben ja nicht unbedingt von sich aus gesagt: »Ich will unbedingt eine Doula«. Würden sie sich zu der nächsten Geburt wieder eine Doula holen?

Sonja Messer:
Da müsste ich sie im Nachhinein mal fragen. Ich mache das erst seit ungefähr einem Jahr, aber ich habe den Eindruck, dass sie es gut finden. Speziell eine Frau habe ich im Kopf, bei der wir zu zweit waren plus Doula. Diese Frau wollte bei der nächsten Geburt auch unbedingt dieses Team wiederhaben. Ja, die Frauen finden das gut. Sie haben auch Angst, dass es doch in die Klinik geht, und dann sagen sie: »Es ist toll, dass ich dann jemanden dabeihätte.«

 

Britta Zickfeldt:
Gesundheitspolitisch ist es ja ein Desaster, dass die Frauen das selbst bezahlen müssen. Was nehmen Sie als Rufbereitschaft? Und was nimmt die Doula?

Sonja Messer:
Ich nehme 500 Euro, die Doula 650 oder 750 Euro. Die Doula macht auch manchmal Geburtsvorbereitung. Sie kommt nochmal in der ersten Woche des Wochenbetts und danach machen wir gemeinsam einen Abschlusstermin.

 

Christiane Schwarz:
Möchten Sie den Leser:innen noch etwas mitgeben?

Sonja Messer:
Man muss wirklich keine Angst haben. Ich finde es toll. Ich finde die Idee sehr belebend, mit anderen Berufsgruppen zusammenzuarbeiten, und die Arbeit mit den Doulas ist eine gute Möglichkeit. Es macht mir Spaß!

 

Christiane Schwarz:
Vielen herzlichen Dank!

Rubrik: Ausgabe 12/2021

Vom: 24.11.2021