Diskussionen zur Zukunft – die Hebammen fehlen

  • Von einer Kollegin, die in Ostdeutschland in einer ländlichen Region freiberuflich tätig war, höre ich schon länger, dass es „nicht mehr gut läuft". Obwohl sie sehr erfahren ist, noch eine Ausbildung zur Familienhebamme und einen Masterabschluss in einem Hebammenstudiengang mitbringt, kann sie nicht mehr von ihrer Arbeit leben. Sie hat in den letzten Jahren nebenbei in einem Naturkostladen „gejobbt" und schließlich auch noch gekellnert. Nun wird sie in Süddeutschland in einer Klinik anfangen, mehr als 600 Kilometer entfernt. Weil die sechsköpfige Familie in ihrem Ort verwurzelt ist, wird sie als Gastarbeiterin dort tätig sein, wo eine Hebamme fehlt.

    Sicher ist dies nicht die Lösung, die Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands, vorschwebt, wenn sie im Interview in dieser Ausgabe an die Bereitschaft der Kolleginnen appelliert, „Hebammenhilfe dort zu erbringen, wo sie nachgefragt wird". Der Preis für diese Kollegin ist hoch, jedes Familienmitglied – das jüngste acht Jahre alt – wird einen Teil der Last mittragen müssen. So wird die Mutter mit qualifizierter Arbeit hoffentlich wieder so viel verdienen, dass sie mit ihrem Partner gemeinsam den Lebensunterhalt der Familie bestreiten kann. Wochenweise wird sie pendeln, fast die Hälfte eines Jahres auswärts freiberuflich Schichtdienst leisten – mit vielen Stunden Reisezeit und Übernachtungen, weit weg von zu Hause.

    Diese Notmaßnahme lässt die Entmutigung ahnen, die dieser Entscheidung vorausgegangen sein muss. Wie wird es künftig weitergehen mit dem Berufsstand der Hebammen, der – überschaubar wie er ist – in der Politik und bei maßgeblichen „Architekten" eines Gesundheitswesens der Zukunft bislang viel zu wenig beachtet wurde? Es ist nicht damit getan, Lösungen für die dramatische Entwicklung der Haftpflichtproblematik zu finden.

    „Die Uckermark ist überall – kreative Ideen für die Fläche", titelte eine der Veranstaltungen beim „Hauptstadtkongress 2013 – Medizin und Gesundheit" Anfang Juni in Berlin. Sie handelte zum Beispiel von „Chancen telemedizinischer Mitbetreuung für den strukturschwachen ländlichen Raum". Der Kongress mit 8.000 TeilnehmerInnen sollte zur Diskussion um die Zukunft der Gesundheitsbranche beitragen – zu berufspolitischen und wirtschaftlichen Fragen über Ideen innovativer Patientenbetreuung bis hin zu Versorgungskonzepten am Lebensende. KlinikmanagerInnen, GesundheitsunternehmerInnen, WissenschaftlerInnen, ÄrztInnen, Pflegekräfte, PhysiotherapeutInnen und VertreterInnen aus Politik und Verbänden tauschten sich drei Tage lang über Herausforderungen des Gesundheitswesens aus. Themen zum Lebensanfang, zur Sicherung wohnortnaher Geburtshilfe und zu Problemen der Hebammenversorgung suchte man im Programm vergeblich – ebenso die Namen von Hebammen im Verzeichnis der ReferentInnen.