Kaiserschnitt

Verletzungen der Harnblase mit Folgen?

  • Blasenverletzungen während der Sectio sind seltene Ereignisse. Wenn keine kombinierten Blasen- und Harnleiterverletzungen vorliegen, sind keine kurzfristigen und langfristigen Folgeschäden zu erwarten.

  • Verletzungen der Harnblase durch eine Sectio sind selten und über ihre Heilung ist wenig bekannt. In einer israelischen Studie wurde das Wohlbefinden von Frauen nach Blasenverletzungen verfolgt.

    In der retrospektiven Untersuchung wurden alle Blasenverletzungen untersucht, die die gesamte Blasenwand durchdrängten. Sie waren von 2007 bis 2016 in einer Level I-Universitätsklinik aufgezeichnet worden. Dazu wurden Daten zu Wehen und chirurgischen Parametern, Folgeschäden und Befunde aus der Röntgendarstellung der Harnblase (Zystografie) ebenso erhoben wie die demografischen Faktoren. Das kurzzeitige Befinden der Mütter innerhalb der Katheterperiode, Infektionen und der eventuelle Bedarf einer erneuten Operation waren die relevanten Messfaktoren zusätzlich zum langfristigen Outcome.

    Im Untersuchungszeitraum wurden 17.326 Sectiones durchgeführt. 81 Frauen (0,47%) erlitten eine Blasenverletzung. In acht Fällen passierte dies bei einer primären Sectio (9,9%). Das Gesamtrisiko dafür betrug demnach 0,07 Prozent. Die anderen 73 Fälle ereigneten sich während einer Re-Sectio, wobei in drei Viertel der Fälle Verwachsungen dokumentiert waren. In sechs Fällen fand sich eine Placenta accreta.

    In zwei Drittel der Fälle wurde die Blase bei der Eröffnung des Peritoneums verletzt (67,9%). Geschnitten wurde dabei in 60,5 Prozent der Fälle in das Blasendach. Bei allen bis auf drei Frauen wurde die Verletzung während der Sectio diagnostiziert und vernäht. Diese drei Frauen fielen durch Schmerzen im Abdomen und einen aufgeblähten Bauch zwischen dem ersten und dritten Tag nach der OP auf. Sie wurden erneut laparatomiert. Zwischen dem sechsten und elften Tag post operationem wurden 35 Frauen zystografiert. Fünf Patientinnen hatten ein Loch in der Blase, bei vier Frauen zeigten die Blasenwände Unregelmäßigkeiten und zwei Frauen erlebten einen Urinreflux. Zwei der elf Frauen waren zusätzlichen Interventionen ausgesetzt mit jeweils erneuten Operationen: eine wegen Blasenverschluss, externem Ablauf aus der Blase (Nephrostomie) und wegen einer Blasen-Scheiden-Fistel. Die andere Frau wurde wegen Reimplantation eines Harnleiters und einer Nephrostomie erneut operiert. Beide Frauen hatten sowohl eine Blasen- als auch eine Harnleiterverletzung. Alle anderen Frauen hatten kein Fieber und keine kurzfristigen oder langfristigen Blasenprobleme.

    Resümee: Wenn keine kombinierten Blasen- und Harnleiterverletzungen vorliegen, sind auch keine kurz- und langfristigen Folgeschäden zu erwarten.

    (Salma L, Aharony S et al.: Urinary bladder injury during cesarean delivery: Maternal outcome from a contemporary large case series. EJOG 2017. http://dx.doi.org/10.1016/j.ejogrb.2017.04.007/DHZ)

     

     

     

    Rubrik: Geburt